Von Vernunft und Herrschaftsverzicht

Stellt euch mal vor: Von einem Schlag auf den nächsten nehmen sich alle Menschen, die irgendwo Macht und Verantwortung haben, vor…

… sich jede Regung von Hass zu verbieten,

… auf alle noch so berechtigten Racheansprüche zu verzichten

… sofort auf Dialog auf allen Ebenen und mit allen Instanzen im eigenen Lager und in den anderen Lagern zu gehen

… auf die ihm gewährte Ausübung von willkürlicher Herrschaft über Ungefragte zu verzichten, sodass von den Geknechteten kein Widerstand mehr nötig ist

… nicht mehr nach der Identität des Gegenübers zu fragen, sondern ihn als Manifestation der selben Menschheit zu sehen, zu der er selbst auch gehört

… alle Güter, die ihm aus unverdienten Umständen heraus zufielen, gerecht unter den anderen zu verteilen und dabei keine Rechnungen auszustellen

… sich für die Lösung aller kleinen und großen Konflikte stark zu machen, selbst stets Teil von Lösungen und nie von neuen Problemen zu werden

… ein Rollenmodell für eine von Vernunft und Moral gesteuerte Persönlichkeit zu werden

… Kraft nur dort einzusetzen, wo jemand seine eigene Kraft gegen andere missbraucht

… den Krafteinsatz so rasch wie möglich wieder zu unterbinden

Was wäre das für eine Welt, wenn ein erheblicher Prozentsatz von Menschen in einer Gesellschaft quer durch alle Schichten sich vornehmen würde so zu denken und zu handeln?

Leider ist zu so viel ist die Fantasie vieler Gegenwärtiger nicht mehr ausreichend.

Irgendwas hindert sie davor aus Gedanken wie den obigen mal eine ernst zu nehmende Weltanschauung zu machen.

Eine dezentrale Ideologie, die keine politische Macht unter Kontrolle kriegen könnte, da sie der allen Menschen innewohnenden Vernunft entspringt.

Einer Vernunft, die in Kenntnis von all dem Übel ist, zu dem egoistische Unvernunft fähig ist.

Und darum sich der Selbstkritik stellt, statt erst die anderen zu kritisieren.

Stellt euch mal vor, die Vernünftigen aller weltanschaulichen Lager würden quer zu allen Fronten eine solche Entscheidung treffen und einen neuen Status Quo definieren.

Ist es denkbar, dass in so einer Welt weiterhin der Wahnsinn den Ton angibt?

Der Wahnsinn würde seine gesamte Existenzgrundlage verlieren – da sein Gegner neue Spielregeln definiert hat, die den Wahnsinn übertrumpfen, ihn überflüssig werden lassen.

Wieso ist Vernunft nicht in der Lage die selbe Kraft hervorzubringen wie der zerstörerische Wahnsinn?

Wieso organisiert sich Wahnsinn so rasch und wirksam, während Vernunft ständig einen Neustart benötigt, in der Unkoordiniertheit des Individualisten versiegt?

Wieso schämt sich Vernunft davor sich durch naive Utopien lächerlich zu machen, während Wahnsinn jedes Gefühl für Scham und Selbstkontrolle verloren hat und uns alle in die gelebte Distopie zu drängen versucht?

Wieso? Wieso? Wieso?


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