Dimensionen des rituellen Gebetes

Es gibt im Islam mehrere Wege sich aktiv an Gott zu wenden: das stille Nachsinnen, das freie Bittgebet und schließlich das täglich fünfmalige rituelle Gebet, das im Arabischen als ṣalāt und im Persischen wie Türkischen als namaz bezeichnet wird. Vom Bittgebet unterscheidet sich letzteres durch seine ritualisierte äußere Form und durch seinen Fokus auf die Preisung Gottes. Das Äußere dieses Gebets mag starr wirken. Seine praktischen und spirituellen Dimensionen aber sind vielschichtig. Und darum soll es hier gehen.

Dieses Gebet, das man unter erschwerten Bedingungen wie Krankheit und Reise kompakt und flexibel handhaben kann, bleibt durch seine Verteilung über alle Tageszeiten quasi allgegenwärtig. Es ist eine regelmäßige Einladung an den Menschen, eine Auszeit vom weltlichen Treiben zu nehmen und sich für einige Minuten auf die Kraft hinter den Dingen zu konzentrieren. Dies geschieht in Körperhaltungen tiefster Demut durch Verneigung und Niederwerfung – Gesten, die den Betenden an seine Endlichkeit, existenzielle Schwäche und Fehlbarkeit erinnern. Weiterlesen