Die Metaphysik des Schweins

Wie unrein ist das Schwein wirklich?

Wenn man das Tawhid-Prinzip des Islam gründlich durchdenkt, wird man wohl zum Ergebnis kommen, dass das Schwein im Koran nur als Speise des Menschen als unrein deklariert ist, und nicht als “Schwein an sich” (um mit Kant zu sprechen). Es ist ein rein relative Unreinheit, die nicht am Schwein, sondern am Verhältnis zwischen Schwein und Mensch liegt. Worin genau diese Unreinheit begründet liegt, bleibt koranisch offen. Das Verbot des Schweinefleischs gehört (soweit ich das begriffen habe) zu jenen Rechtsurteilen der Religion, die man taʿabbudī nennt, die also keine unmittelbar erkennbare Verbotsursache (ʿilla) aufweisen, sondern aus unserer Sicht wirklich reine Gehorsamsgebote sind. Viele andere Ge- oder Verbote des Islams hingegen lassen sich auf rational einsichtige Ursachen zurückführen. Wenn diese speziellen Ursachen entfallen, entfällt auch das Rechtsurteil (z. B. entfallen nach heute geläufiger und koranisch gestützter Lesart Kriegsgebote, wenn keine physische Aggression “von außen” vorliegt; wenn Wein zu Weinessig ist, ist das Verbot aufgehoben etc.)

Auf der anderen Seite wird man dann erkennen, dass das Schwein als Geschöpf ein schönes Wesen in dem Sinne ist, wie es im Koran von allen (!) Geschöpfen heißt, dass sie schön hinsichtlich ihrer Erschaffenheit sind. Im Schwein manifestieren sich ebenso Namen Gottes wie der Barmherzige, der Lebendigmachende, der Formgebende etc., sodass man sich gerade als Muslim davor hüten sollte etwas, dessen Verzehr (aus für uns unbekannten Gründen) für uns religiös untersagt ist als Un-Schöpfung darzustellen.

Das Schwein ist hinsichtlich seines Verweises auf seinen metaphysischen Ursprung schön.

Punkt.

Dass Feuer tödlich für uns sein kann, oder das vom Höllenfeuer die Rede ist, ändert nichts daran, dass Feuer eine segensreiche Schöpfung Gottes ist. In diesem Sinn wird man zum Ergebnis kommen, dass das Schwein nicht minder zu den Zeichen Gottes in der Natur zählt, wie alle anderen Geschöpfe auch.

Gelobt sei der, der die Arten vom Schwein bis zum Menschen als schön schuf und uns den Auftrag gab die Schöpfung als eine schöne zu erkennen und von hieraus eine Idee über die abstrakte Schönheit des Schöpfers zu gewinnen!

Es ist ein schönes Gefühl zu glauben, dass man in einem schönen Kosmos lebt, dass vom Gewürm bis zu den Galaxienhaufen alles schön ist, und dass es einen Blick hinter die Oberfläche der Dinge gibt, der auf mehr verweist als auf die rein praktische Struktur der Dinge.

Die Welt – als Gesamtheit und als Wesen an sich betrachtet – ist schön.

Trotz der Hässlichkeit, mit der wir sie zu zerkratzen suchen.

Angeraten sei dem menschlichen Schweineverachter daher zu überlegen, welches Wesen auf der Erde mehr Unheil anstiftet: Das friedliche Schwein, das seinen Schöpfungszwecken nachkommt, oder der ambivalente Mensch, hin und hergerissen zwischen der Rolle als Krone oder als dunkler Abgrund der Schöpfung…

Muslimische Stellungnahmen zu IS und islamistischem Terror (von Serdar Güneş)

Frage: “Warum höre ich nie etwas von Muslimen, wenn im Namen des Islam gemordet wird?”
 
Antwort: “Weil du die umfangreiche Linksammlung von Serdar Günes mit Stellungnahmen, Fatwas, Arikeln und Büchern in drei Sprachen nicht kennst!”
 
Pflichtlink hier – bitte verbreiten.
 
Quelle: https://serdargunes.wordpress.com/2014/09/22/muslimische-quellen-gegen-den-terrorismus/
Ich bin mal so frei und paste mal Serdars Artikel zur schnelleren Orientierung hier rein:

Meinungen, Statements, Publikationen (Bücher und Artikel), Fatwas, Linksammlungen und Verlautbarungen sollen hier dokumentiert werden. Hinweise auf weitere Quellen sind erwünscht (→ Kontaktformular):

1. Fatwa, Lectures, Books:

a. Fatwa

b. Books

2. Texts:

German:

Turkish:

English:

 

Statistisch repräsentative Missverständnisse über die Islamablehnung der Deutschen

Die Deutschen haben vor nichts mehr Angst als vor islamistischem Terror und dem Islam – behauptet zumindest die rechtskonservative Junge Freiheit und stützt sich auf aktuelle Ergebnisse einer repräsentative Studie des John Stuart Mill Instituts, in der wiederum Bezug auf Ergebnisse des Allensbacher Meinungforschungsinstitutes genommen wird [1]:

“Eine wachsende Zahl von Deutschen empfindet den Islam als Gefahr. Als größte Bedrohung für die westlichen Werte nannten 35 Prozent „den internationalen Terrorismus“ (Platz 1), 26 Prozent „den Islam“ (Platz 4) und 22 Prozent „zuviel Toleranz bei Parallelgesellschaften“ (Platz 8).” [2]

Nun muss es natürlich nichts mit Rechtskonservatismus zu tun haben, wenn man einfach nur die Ergebnisse repräsentativer Studien wiedergibt – so viel wird man ja wohl doch noch sagen dürfen.

Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich wie so oft eine Kette methodischer Schwächen. Schauen wir uns mal die Originalquelle an (S. 31 der im Anhang verlinkten Studie):

Trash5Was hier klar auffällt: Von den neun Dingen, vor denen die Deutschen im Namen westlicher Werte am meisten Angst haben, sind zwei weit oben in den Rängen direkt mit dem Islam assoziiert (internationaler Terrorismus, Islam), sowie Phänomene, bei denen man als medial konditionierter Leser auch spontan an den Islam denken muss (zweimal Extremismus, Parallelgesellschaft).

Das Wichtigste in dieser Grafik ist jedoch ein anderes Detail, nämlich, dass die Antworten einer Listenvorlage entstammen. Das heißt: Dem Befragten werden zwischen hunderten oder tausenden möglicher Antworten sagen wir mal neun vorgeschlagen – und er darf nun “frei” wählen. Weiterlesen

Dimensionen des rituellen Gebetes

Es gibt im Islam mehrere Wege sich aktiv an Gott zu wenden: das stille Nachsinnen, das freie Bittgebet und schließlich das täglich fünfmalige rituelle Gebet, das im Arabischen als ṣalāt und im Persischen wie Türkischen als namaz bezeichnet wird. Vom Bittgebet unterscheidet sich letzteres durch seine ritualisierte äußere Form und durch seinen Fokus auf die Preisung Gottes. Das Äußere dieses Gebets mag starr wirken. Seine praktischen und spirituellen Dimensionen aber sind vielschichtig. Und darum soll es hier gehen.

Dieses Gebet, das man unter erschwerten Bedingungen wie Krankheit und Reise kompakt und flexibel handhaben kann, bleibt durch seine Verteilung über alle Tageszeiten quasi allgegenwärtig. Es ist eine regelmäßige Einladung an den Menschen, eine Auszeit vom weltlichen Treiben zu nehmen und sich für einige Minuten auf die Kraft hinter den Dingen zu konzentrieren. Dies geschieht in Körperhaltungen tiefster Demut durch Verneigung und Niederwerfung – Gesten, die den Betenden an seine Endlichkeit, existenzielle Schwäche und Fehlbarkeit erinnern. Weiterlesen