Risikoabwägung: Verdummung oder Verunsicherung?

Seltsame Welt… Da bietet sich uns nur eine sehr beschränkte Zahl an Informationen und wir schaffen uns damit oft ein abschließendes Bild von der Welt oder erfinden somit zugleich jene Welten, in denen wir gar zu leben meinen. Dabei sind gefühlt mindestens fünfzig Millionen unterschiedliche Welten denkbar, die alle kompatibel mit den paar Informationen sind, die wir haben.

Hieraus ergeben sich zwei Möglichkeiten:

(1) Rückzug auf den inneren Status Quo – Ich setze mein Weltbild als Dogma und verschließe die Augen vor allen Dingen, die mein Weltbild in Frage stellen könnten. Ich traue allem, was ich weiß bzw. zu wissen behaupte, halte mich vor neuem Wissen fern und meide die Kontroverse. Dafür habe ich ein klares Weltbild, kann alles erklären, habe auf jede Frage eine endgültige und definitive Antwort. Es gibt nichts, zu dem ich nicht sofort eine eindeutige Meinung habe. Die Folge dieses Denkens: Gemütlichkeit, aber unter stetem Verdummungsverdacht.

(2) Kritisches Bewusstsein gegenüber dem inneren Status Quo – Ich suche gezielt nach Wissen, Kontakten und Erfahrungen, von denen ich bislang überzeugt bin, dass ich sie gar nicht benötige, oder dass sie keine Beschäftigung wert sind – denn vielleicht verbirgt sich gerade dort der Schlüssel zu einem weiteren Blick auf die Welt.  Denn der Verdacht liegt nahe, dass geschlossene Weltbilder zugleich genau mit solchen Denkverboten einhergehen, die bezwecken eben jenes Weltbild zu immunisieren. Aber warum sollte ich vor Wahrheit Angst haben? Mögliche Nebenwirkungen dieser Strategie: anfängliche Verunsicherung, permanente Rastlosigkeit, Zurückhaltung vor Absolutheitsansprüchen. Aber bitte: Ist das nicht um einiges besser als ein ständig wachsendes Verdummungsrisiko?


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