Hello World II !

بِسْمِ اللَّـهِ الرَّحْمَـٰنِ الرَّحِيم

Beim Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen…

Nach einem langen Winterschlaf wacht mein Blog www.andalusian.de wieder auf – in neuem, wenn auch unvollendetem Gewand. Anlass für die Pause war, dass ich vom für mich sehr unhandlichen Joomla/ZOO-System auf WordPress umsteigen wollte. Gleich vorweg: Mein alter Blog ist weiterhin vollständig verfügbar – die Hauptseite erreicht ihr am einfachsten über den Button “Alter Blog” oben links, oder direkt über http://andalusian.de/index.php/blog-kategorien/frontpage/1 . Alle Links auf meine alten Texte funktionieren noch – nur die Eingabe von www.andalusian.de führt per Weiterleitung zu meiner neuen Adresse blog.andalusian.de

Mein neuer Blog beinhaltet weiterhin das übliche Blog-Feld. Neu ist der Koran-Blog, in dem ich systematisch Koranverse darstellen und diskutieren möchte. Dieses ist über den zweite Button oben erreichbar. Neu sind ebenfalls die Themen-Dossiers, die ab Button drei über die Menüleiste oben abrufbar sein werden, und in die ich viele alte und neue Texte einstellen werde.

Aber: Das Projekt hier ist noch nicht fertig!

Da ich aber, wenn ich weiter so mache, gefühlt erst in 48 Jahren meinen Blog eröffnen kann, habe ich entschieden, dass mein Blog einfach “Work in Progress” ist und bleibt. Einerseits ist das unbefriedigend, da nicht wirklich “fertig”, andererseits kann man aus der Not auch eine Tugend machen und sagen: Im Grunde sind wir alle unvollendete Werke, auf der Suche nach Struktur, Richtung und Orientierung, auf der Basis dessen, was wir kennen, können und lieben. Das ist es – das muss es sein…

Ich bin meinem alten inhaltlichen Motto “Deutsches, Türkisches und Islamisches” treu geblieben, jedoch möchte ich hier auch mehr an einem systematischen Entwurf zu meinen Themen arbeiten – zwar kein fertiges und abgeschlossenes, sondern ein offenes und vorläufiges, nichtsdestotrotz jedoch ein logisch zusammenhängendes System.

Ich sehe mich selbst als Schüler all der Dinge, über die ich schreibe, und nicht als Lehrer. Insofern schreibe ich als Suchender, gar als Wühlender.

Weiterhin werde ich mich hier vorrangig mit dem Islam und seinen Erscheinungsformen befassen, aus der Perspektive des gläubigen und praktizierenden Muslims, der zugleich Fragen stellt, nachbohrt und versucht der Welt, die sich ihm darbietet, einen Sinn zu geben und in ihm die größeren Zusammenhänge zu erahnen – und es ist nach wie vor eine fantastische Welt, die ich tagtäglich erleben darf.

Mein Diskursrahmen ist meine Lebenswirklichkeit im Hier und Jetzt, in Deutschland, in Stuttgart. Meine Theoriebasis greift jedoch sowohl räumlich, als auch zeitlich, als auch hinsichtlich der Denktraditionen her weiter. Ich arbeite mit Konzepten aus islamischer Theologie, allgemeiner Philosophie und Naturwissenschaft – ebenso auch aus Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaft.

Die Einheit im Gewirr zu suchen und zu erahnen, der intellektuelle Tawhîd – das ist das schönste geistige Vergnügen, dem ich bislang begegnet bin. Aber auch der schnöde Alltag mit all seinem Drama und seiner Komik ist hier mein Thema. Und nach wie vor natürlich auch meine inneren Geisterstunden, meine virtuellen Konferenzen mit hartnäckigen Geistern und Dämonen – auf Deutsch, wie auch Türkisch.

Hierher gehört natürlich auch mein Ringen um Möglichkeiten einer Integration von Islam und Moderne – beide davon kritisch und wohlwollend beäugt.

Ich argumentiere dabei nicht naiv modernistisch, sondern im nüchternen Bewusstsein von den Bedingungen der Moderne, zu deren Produkten ich letztlich auch selbst gehöre, und deren Licht ich schätze, deren Dunkel ich fürchte, und deren Graubereich ich für groß und entwickelt genug halte, das unter guten Umständen, die wir gemeinsam schaffen müssen, für alle darin Platz ist, ohne sich erst auf eine gemeinsame Ideologie, Lebensweise, Religion oder Metaphysik einigen zu müssen.

Während es mir in der Metapyhsik gut klassisch um Wahrheitssuche geht, suche ich in sozialen und gesellschaftlichen Fragen vor allem den vernünftigen Kompromiss, und weniger den viel voraussetzungsreicheren Konsens bis in metaphysische Grundfragen hinein. Wer “Konsens” sagt, aber dabei neben sich nur eine Handvoll Individuen wirklich vertritt, kann auch keine Verbindlichkeit für diesen “Konsens” erwarten. Das ist der Preis, den auch ich für meine Darstellungen hier zahle: Sie sind meine Meinungen – Einladungen zum mitdenken, mitgehen und Einspruch einlegen.

Ferner verstehe ich meine kritischen Diskussionen mancher religiösen Erscheinungen und Verständnisse speziell aus dem islamischen Spektrum nicht etwa als islamkritisch, sondern wenn schon, dann als kritisch-islamisch.

So ungefähr fühlt es sich zumindest an, was ich als Blogger bislang gemacht habe und künftig inshallah machen möchte.

Mir geht es um die Untersuchung des Islams unter den Bedingungen von Wahrheit, Verstehbarkeit und Moralität. Um einen vernünftigen und moralischen Glauben, der sich aber auch die islamische Erfahrung und Perspektive stützt. Mir geht es um Erkenntnis auf der Basis von Sinnen, Vernunft und Offenbarung. Eine islamisch-gläubige und kritische Perspektive – ein Projekt, das nach meinem Eindruck noch sehr in den Anfängen steckt und an Theoriearmut, Methode und Durchhaltevermögen leidet. Ich will und kann dieses Problem hier natürlich nicht lösen (und schon gar nicht alleine), aber ich will daran mitarbeiten und euch meine eigenen Beobachtungen mitteilen.

Wer sich also so wie ich als Sucher und Tüftler versteht, wird meinen Intentionen – egal welchem Hintergrund er selbst hat – hoffentlich gut folgen können.

Trotz aller Vorläufigkeit ist mein langfristiges Motiv für dieses sehr spezielle Projekt durchaus aber der Wunsch nach einer breiten theoretischen Fundierung eines zeitgenössischen Islams vor dem Hintergrund seiner eigenen Bedingungsstrukturen, und auch vor dem Hintergrund empirisch bewährter und theoretisch reflektierter Erfahrungen der Menschheit in der Moderne – einschließlich der Vorzüge westlich geprägter freiheitlicher Demokratie, der historisch neuen Erfahrung des für jeden Menschen zugänglichen Wissens und der Bildung bis hin zu Erfolg und Folgen von Naturwissenschaft. Dies alles soll dabei nicht naiv in den Islam hineingelesen werden, sondern die Möglichkeiten von Gemeinsamkeiten, aber auch pragmatische Strategien zur Verarbeitung möglicher Widersprüche zwischen Islam und Moderne sollen thematisiert werden.

Die größte Herausforderung ist dabei die Frage, inwieweit sich solche praktisch-pragmatischen Vereinbarungsstrategien auch theoretisch fundieren lassen. Und man beachte: Ein solches Vorgehen blickt nicht nur auf die islamische Gelehrtentradition kritisch, sondern auch auf die Verheißungen und Praktiken der Moderne. Entspannend ist dabei, dass weder die islamische Tradition, noch die Moderne fertige und einheitliche Weltanschauungen darstellen, sondern in sich vielfältig, ja teils fast bis zum Zerbersten widersprüchlich sind.

Solche Widersprüchlichkeiten lese ich als Einladung nicht allem zu glauben, was “Mehrheiten” oder “Experten” sagen oder meinen, sondern mir selbst ein Bild von der tiefer liegenden Struktur der Dinge zu machen.

All das macht meine Suche einerseits sehr zäh und kompliziert, andererseits aber auch bescheiden und friedlich. Mich interessiert, was andere Wahrheitssucher so machen, und wie sie mit den Problemen umgehe, auf die ich selbst in meinen Studien auch stoße. Und ja: Ich glaube, dass “Wahrheit” nach wie vor eine sinvolle Kategorie ist, dass Ideen wahr, teils wahr und falsch sein können, und dass “Theorie” im Sinne unserer kognitiven Brille fundamental für unser Verständnis der Welt ist. Es kann mehrere Theorien zur Welt geben, diese können alle auf ihre Weise gut und partiell erfolgreich sein. Daraus folgt aber nicht, dass sie alle in gleicher Weise “wahr” wären. Theorien müssen auch “falsch” sein können, im metapyshischen Sinne, also im Sinne einer Übereinstimmung mit dem “Ding an sich” – oder man deklariert sie gleich zu Beginn als nur “phänomenologisch”, als pragmatisch, oder sonstwie.

Ein Problem sehe ich jedoch, wenn nunmehr alle Theorien zu Welt und Gesellschaft zu Instrumenten des rein praktischen Umgangs erklärt werden. Denn ein solcher Zugang schafft es weder den beeindruckenden Erfolg der absolut alltagsfremden Grundlagenphysik erklären, noch ist er in der Lage eine kritische Theorie zu unserem Umgang mit Macht, Technik und Politik zu formulieren. Ich halte nichts davon irgendwelche Praktiken – und seien sie noch vor verbreitet und “notwendig” – unkritisch als “gegeben” hinzunehmen um mir anschließend zu überlegen, wie ich das praktisch in mein Leben integrieren muss. Man denke nur an die finsteren Seiten des Kapitalismus, an frühkindlich vermittelte Stammesloyalitäten diverser Art und an die uns allen abhanden kommende freie Zeit zu Innerlichkeit und Selbstreflexion. Eine Theorie, die systematisch blind macht für offensichtliche Absurditäten und Ungerechtigkeiten, kann keine gute Theorie sein.

Somit geht es mir also auch um die Frage, wie wir es bei allem Fortschritt nicht geschafft haben die Welt allen Menschen zu einer Stätte des Wohlstandes und würdiger Lebensumstände zu machen. Und ich möchte ergründen, was genau in der islamischen Welt vor einigen Jahrhunderten verkehrt gelaufen ist bzw. heute noch läuft, dass so eine in sich widersprüchliche und nach wie vor von Notständen und Leid, von Repression und gewaltsamer Herrschaft geprägte “islamische” Welt entstehen konnte.

Betrachtungen zum Stand von Theorie und Praxis des zeitgenössischen Islams sind extrem ernüchternd, verwirrend und enttäuschend – und doch müssen wir uns gerade diesen stellen: Ehrlich, fair, unaufgeregt und selbstkritisch. Hier liegt eine wahre Ruine vor uns, die wir noch gar nicht richtig verstanden haben, sodass wir “Lösungen” nennen könnten.

Mir geht es dabei aber auch um die Rechte von Minderheiten und der Schwachen – sowohl in der deutschen Gesamtgesellschaft, als auch innerhalb der muslimischen Community und Welt.

Mir geht es um den moralisch begründeten Verzicht auf Rechte über Menschen, Tiere und Dinge, die einem von Tradition und Gesellschaft oft unverdienterweise zugestanden werden.

Um den Verzicht auf bzw. die gerechte Verteilung von Möglichkeiten, die den einen geschenkt und den anderen für immer vorenthalten werden.

Um subjektive Theorien, Weltbilder, Logiken.

Aber auch um Mathematik, Physik und Philosophie.

Kurzum: Mir geht es um alles – kleiner habe ich es nicht!

Wenn ich von “allem” gelegentlich schwache Schimmer einfangen und auf den Punkt bringen kann, dann bin ich schon glücklich. Meine Beschäftigung mit “allem” ist vor allem auch eine Beschäftigung mit der Frage, was ich davon eigentlich wirklich wissen kann – und was ich einfach glaubend voraussetzen muss, wenn ich gläubig sein und bleiben möchte (und ja: Ich möchte gläubig bleiben!)

Das Projekt wird sich also noch aus Bruchstücken entwickeln, versteht sich aber nicht als unverbindlicher Steinbruch. Es ist also eine Sache, bei der ihr mich beraten und kritisieren dürft und sollt.

Der allgemeine Blog-Bereich hat endlich wieder eine Kommentarfunktion, vor der reichlich Gebrauch gemacht werden möge. Ich muss jedoch erwähnen, dass mir in der Regel die Zeit fehlt auf alles antworten zu können, sodass ich nicht versichern kann mich an allen Diskussionen beteiligen. Aus dem selben Grund behalte ich es mir auch vor meiner Meinung nach unpassende Kommentare auch mal nicht zu veröffentlichen. Die Themen-Dossiers und der Koran-Blog wiederum sind Text-Archive ohne Kommentarfunktion, da die Texte dort auf Dauer angelegt sind. Ich werde jedoch immer wieder auch Texte aus diesen Bereichen im allgemeinen Blogbereich zur Diskussion stellen. Ansonsten ist natürlich jeder eingeladen auf seinem eigenen Blog Dinge von hier zu übernehmen, dort zu diskutieren oder zu kritisieren.  Per Mail zu erreichen bin ich unter: andalusian.kontakt@gmail.com.

Ich wünsche euch viel Freude auf meiner neuen Seite!

Herzliche Grüße & Salâm

Hakan Turan


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