Gedanken nach dem Bulgur-Essen zur Hinauszögerung des Weltuntergangs

Wie kann es eigentlich sein, dass nicht nur islamfeindliche und freundschaftlich-nichtmuslimische, sondern auch viele muslimische Stimmen, die sich erst zurecht über Pauschalisierung und fehlende Differenzierung durch Medien und Umwelt ärgern, gefühlt jeden zweiten Satz mit der Kollektivformel “Die Muslime müssen dies tun…” oder “Die Muslime müssen das tun…” beginnen?

Bitte nicht ständig “die Muslime”!

Erfinden doch wenigstens wir, die wir es am besten wissen, nicht Kollektive, wo seit über 1400 Jahren keine mehr existieren.

“Die Muslime müssen endlich…”

Pah!

Habe ich da irgendetwas verpasst?

Eben dieses kollektive Argumentieren IST einer der fundamentalen Teile des gesamten Problems.

Besser man sagt “viele Muslime”, “manche Muslime”, “paar die ich kenne” oder am besten einfach nur “ich”.

Das wäre doch mal ein Motto, das des Islams würdig wäre: “Ich sollte dies tun…” und “Ich sollte das tun…”

Oder sinngemäß Sure 5, Vers 105: “O ihr, die ihr glaubt, kümmert euch um euch selbst. Wer irrt, kann euch nicht schaden, wenn ihr auf dem richtigen Weg seid.”

Warum sollte ich da erst auf Kuscheleinheiten von der Welt warten, ehe ich ich selbst sein darf?

Ich will ich selbst durch mich und meine Überzeugungen sein – mit meiner gesamten Umwelt, und auch für sie, aber nicht durch sie.

Zumindest ist das ein Ideal, das mir imponiert.

Vor allem, wenn zu dieser Umwelt nun auch noch selektiv Untergang-posaunende Medien und jene von Vernunft und Moral bereinigte Machtstrukturen schein-religiöser wie auch säkularer Art hinzukommen – Fanatiker mal dieser und mal jener Couleur.

Ich will mit alle denen nichts zu schaffen haben. Ich denke, auf das meiste davon kann man getrost verzichten und trotzdem, oder gerade durch diesen Verzicht glücklich werden.

Wenn ich mein Glück jedoch davon abhängig mache, dass sich alle unfairen Kontroversen da draußen und Fanatismen in den Reihen meiner Religion aus Rücksicht auf mich auflösen – dann gebe ich Souveränität auf, dann werde ich steuerbar, dann lande ich in der permanenten Bittstellerposition, egal wie hart und überzeugt ich mich nach außen hin gebe.

Darum ist der Gelassene stärker als der verbissene Eiferer, und am Ende des Tages auch der Erfolgreichere und Zufriedenere.

Eben da will ich hin.

“Kümmert euch um euch selbst.” – und ihr seht, wie geil das autonome Leben ist.

“Kümmert euch um euch selbst.” – und zerstört den Teufelskreis, der uns all in seine Sog zieht.

“Kümmert euch um euch selbst.” – und schaltet den bescheuerten Fernseher aus, boykottiert die Müll-Zufuhr in eure Seele, versperrt Lebenskraft-Dieben und Diskurs-Scharlatanen alle Wege in euer Herz.

Hier drin tragt ihr die volle Verantwortung. Hier ist es nicht nur bei Sturm schöner als da draußen. Zudem tragt ihr keine Verantwortung dafür den Kosmos für eure privaten Überzeugungen und Sympathiestrukturen zu gewinnen, bzw. für euch selbst zu gewinnen. Scheinkapital, Flitter einer selbst verdunkelten Welt…

Lebe, was du glaubst und bist – und vergiss einfach mal das, was die anderen tun.

Wenn man die Liste der von Bekehrern, Eiferern, Ehren- und Religionsrettern dauerhaft und irreparabel abgeschreckten Menschen mal aufrollen würde – weiß Gott, sie wäre wohl weit länger als die Liste der durch ihre Rhetorik Bekehrten…

Live and let live – auch wenn ich sie nicht immer verstehe und sie oft genauso wie ich nicht alle Tassen im Schrank haben…

“Und wenn dein Herr wollte, würden fürwahr alle auf der Erde zusammen gläubig werden. Willst du etwa die Menschen dazu zwingen, gläubig zu werden?” (10:99)

In diesem Sinne…