Das Muslimische Forum Deutschland – Interview mit Erdal Toprakyaran (2)

Wird das Forum durch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert?

Turan: In der von der Konrad-Adenauer-Stiftung verfassten Einleitung zur Gründungserklärung ist zu lesen: „Auf Initiative  der Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich das Muslimische Forum Deutschland gegründet.“ Daraus ergibt sich eine Reihe von Fragen. Zum einen muss man sich fragen, warum eine Stimme einer schweigenden muslimischen Mehrheit ausgerechnet von der Konrad-Adenauer-Stiftung gegründet wird, und nicht von Muslimen selbst. Was hat es damit auf sich?

Toprakyaran: Natürlich kann man die Formulierung in der Einleitung missverstehen. Damit ist nicht das gemeint, was Sie jetzt gesagt haben. Ich kann mit dieser Formulierung zwar leben, aber ich würde es persönlich auch anders sehen. Ich würde sagen, das war meine Initiative. Lamya Kaddor würde vielleicht sagen, dass es ihre Initiative war. Ahmad Mansour wiederum würde vielleicht sagen, dass es seine Initiative war. Denn wenn man sich das Wirken von Leuten wie Khorchide, oder Kaddor, oder mir, oder Abdul-Ahmad Rashid oder den einzelnen anschaut, dann sieht man, dass das Leute sind, die schon seit Jahren in diese Richtung argumentieren.

In meinem Fall war es so, dass ich einen Vortrag gehalten habe, schon vor zwei drei Monaten in Stuttgart, und da waren auch Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung dabei, wo ich selbst von einer solchen Idee gesprochen habe und denen dann nur aufgefallen ist: „Aha, noch eine Person, die in diese Richtung denkt.“ Die Initiative der Konrad-Adenauer-Stiftung bedeutet eigentlich nur, dass sie Leute zusammengebracht haben, die auf unterschiedliche Weise betont haben, dass die Muslime mehr Verantwortung übernehmen müssen und auch aktiver werden müssen, und dass ein Forum notwendig ist, ein neutrales Forum, wo sich alle Muslime treffen und wie gesagt auch Leute, die über den Islam mitdiskutieren wollen.

Turan: Nun sieht es für manche Kritiker aufgrund der Nähe der Konrad-Adenauer-Stiftung zu CDU/CSU so aus, dass sich die Politik über die Konrad-Adenauer-Stiftung ihren eigenen Wunsch-Ansprechpartner schafft und zudem noch finanziert. Daraus ergeben sich zwei weitere Fragen. Zum einen: Greift damit die Politik nicht in eine innermuslimische und somit religiöse Angelegenheit ein und verletzt somit das säkulare Prinzip? Und die zweite Frage lautet: Welcher Art sind die von den Kritikern angesprochenen organisatorischen und finanziellen Unterstützungen für das Projekt?

Toprakyaran: Das sind jetzt zwei große Fragen, da muss ich etwas weiter ausholen. Zum einen frage ich mich, ob es anders gewesen wäre, wenn die Friedrich-Ebert-Stiftung, oder die Heinrich-Böll-Stiftung, oder die Robert-Bosch-Stiftung, oder die Mercator-Stiftung, oder auch eine türkische oder muslimische Stiftung das gemacht hätte. Ich denke, es wird hier vieles miteinander vermischt und die Debatte wird nicht sachlich geführt.

Denn wenn man genau hinschaut, wie die Trennung von Staat und Kirche in Deutschland funktioniert, dann wird man sehen, dass Säkularität im deutschen Kontext natürlich nicht heißt, dass Staat und Religion überhaupt nichts miteinander zu tun haben und keine Berührungspunkte haben, sondern im Gegenteil: Es gibt sehr viele Berührungspunkte und sehr viele gemeinsame Aktivitäten.

Und wenn wir uns zum Beispiel die katholische Kirche anschauen. Und das würde ich zum Beispiel gerne Herrn Dr. Lemmen fragen: Wie sieht es aus, wenn die katholische Kirche sehr stark vom deutschen Staat gefördert wird, oder eben auch die evangelische Kirche, oder auch DITIB oder sonstige Verbände seit Jahren ganz eng mit allen möglichen Stiftungen zusammenarbeiten, unter anderem auch mit der Konrad-Adenauer-Stiftung? Oder wenn der Staat eine Islam Konferenz veranstaltet und alle Verbände dorthin gehen und auch einzelne Persönlichkeiten?

Es gibt so viele Aktivitäten, wo das eine durchaus mit dem anderen verbunden ist, dass man sich eigentlich genau überlegen muss, wie die Trennung von Kirche und Staat in Deutschland gemeint ist. In anderen Ländern, wenn wir uns die Türkei anschauen, ist eine noch viel stärkere Verbindung von Staat und Religion vorhanden. Von daher ist diese Frage [nach der Rolle der Konrad-Adenauer-Stiftung – HT] meines Erachtens berechtigt, aber die meisten Antworten, die jetzt im Internet kursieren und sich darüber aufregen, sind völlig unsachlich.

Turan: Und was hat es mit der Aussage auf sich, dass das Forum in irgendeiner Form durch die Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert wird?

Toprakyaran: Das ist eigentlich die übliche Praxis. Alle Muslime in Deutschland, die hier engagiert sind in den Verbänden und Vereinen, haben mit den großen Stiftungen in Deutschland zu tun. Wenn wir zum Beispiel an das Theologische Forum Christentum und Islam in Hohenheim denken – selbstverständlich bekommen die Geld vom Staat und selbstverständlich bekommen die Geld von Stiftungen. Und alle gehen hin und alle sind begeistert und freuen sich, wenn dann ihre Fahrtkosten übernommen werden, und ihre Hotelkosten und Übernachtungskosten. Das ist eine Praxis, die in Deutschland Alltag ist, dass man eingeladen wird, dass man hingeht, dass man einen Vortrag hält, dass man zusammensitzt, dass man diskutiert. Und man bekommt seine Kosten gedeckt, wenn man selbst zu den Referenten und so weiter gehört.

Und manche zahlen sogar Honorare. Und viele von denen, die sich jetzt ärgern, gehören selbst zu den Leuten, die regelmäßig auf solchen Veranstaltungen Vorträge halten und Honorare bekommen. Wir hingegen haben von Anfang an klar gesagt: keine Honorare, das ist ehrenamtlich.

Aber wir wollten, dass unsere Unkosten gedeckt werden, und darauf ist die Konrad-Adenauer-Stiftung eingegangen. Ich war bisher nur an einem Treffen beteiligt und wenn ich am Wochenende meine Zeit opfere und nach Berlin fahre, dann erwarte ich natürlich, dass meine Unkosten gedeckt werden. Das heißt Übernachtung und Hotel werden bezahlt und die Fahrtkosten werden bezahlt. Aber das war es dann auch schon.

Ich persönlich würde für so eine Sache niemals ein Honorar annehmen, weil es natürlich ein gesellschaftliches Engagement ist und da wäre es schon sehr fragwürdig, wenn man dafür ein Honorar bekommt, wohingegen ich etliche andere Fälle kenne, wo es für bestimmte Leute kein Problem war ein Honorar zu nehmen. Man wundert sich dann schon, dass jetzt im Moment die Leute am lautesten von gekauften Berufsmuslimen reden und das verbreiten, nur weil irgendwo zu lesen war, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung das finanziert.

Anstatt mal etwas abzuwarten, zu recherchieren, zu gucken, ob man an Informationen rankommt um dann die Sache klarzustellen, wird sofort in den Raum gestellt, dass das gekaufte Berufsmuslime seien und jetzt alle viel Geld verdient hätten und dies nur machen, weil sie Geld bekommen. Das ist schon lächerlich.

Teil 1: Ist das Muslimische Forum Deutschland ein liberaler Gegenentwurf zu den „konservativen Verbänden“?

Teil 2: Wird das Forum durch die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert?

Teil 3: Welche Rolle spielen die Zentren für Islamische Theologie und die nichtmuslimischen Teilnehmer im Forum?


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