9:71 Männer und Frauen sind einander Gehilfen

71. Die gläubigen Männer und Frauen sind einer des anderen Beschützer (oder: Gehilfen/Freunde). Sie gebieten das Rechte und verbieten das Verwerfliche, verrichten das Gebet und entrichten die Abgabe und gehorchen Gott und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Gott Sich erbarmen wird. Gewiss, Gott ist Allmächtig und Allweise.

وَالْمُؤْمِنُونَ وَالْمُؤْمِنَاتُ بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ

يَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنكَرِ

وَيُقِيمُونَ الصَّلَاةَ وَيُؤْتُونَ الزَّكَاةَ

وَيُطِيعُونَ اللَّـهَ وَرَسُولَهُ

أُولَـٰئِكَ سَيَرْحَمُهُمُ اللَّـهُ

(71) إِنَّ اللَّـهَ عَزِيزٌ حَكِيمٌ

Kommentar

Dieser Vers ist hinsichtlich der chronologischen Reihenfolge der höchstwahrscheinlich letzte, der zum Verhältnis zwischen Männern und Frauen geoffenbart wurde. Geht man von der Annahme aus, dass generell die späteren Verse des Korans im Vergleich zu früheren neue Aspekte ins Spiel bringen, dann kann man daraus folgern, dass der Koran in der späten medinensischen Phase eine emanzipatorische Wendung vollzogen hat. Dieser emanzipatorische Charakter wird hervorgehoben durch

  • die auf Augenhöhe beschriebene Beziehung zwischen Mann und Frau („… sind einander awliyāʾ/Freunde/Gehilfen/Beschützer„),
  • die gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe „das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten“, also Verantwortung für die soziale ethische Ordnung zu übernehmen,
  • die Tatsache, dass diese Mann und Frau gleichstellenden Aspekte ohne jede einschränkende Bedingung genannt werden, im Unterschied zu den eher patriarchalisch geprägten Passagen des Korans wie in 4:34, in denen die Vorrangstellung des Mannes abhängig von Bedingungen formuliert wird,
  • die Nennung des Paradieses als gemeinsame Belohnung im Folgevers 9:72.

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.