Herausforderungen der Evolutionstheorie

Die Naturwissenschaft stellt eine Herausforderung für den Gottesglauben dar, auch im islamischen Denken. Wie kann eine naturgesetzlich geordnete Erfahrungswelt mit einem aktiven Schöpfergott vereinbart werden kann? Und wie sollten abrahamitische Religionen speziell mit der Evolutionstheorie umgehen, die den Menschen in direkte Verwandtschaft zur Tierwelt setzt?
 
Es wird oft behauptet, die im Koran erwähnte Erschaffung des ersten Menschen Adam durch Gott widerspräche einer Evolution aus dem Tierreich. Dabei bleibt der Koran bei diesen Schilderungen aber allgemein und vieldeutig, sodass daraus weder eine Bestätigung, noch eine Zurückweisung von Evolution folgen muss. Sehr bildliche Schöpfungsschilderungen in anderen islamischen Quellen wiederum sind nicht so sicher überliefert, als dass sie als verbindlich verstanden werden müssten.
 
Aber auch sonst sollte man hinsichtlich der gut bestätigten Evolutionstheorie einen Rat des Gelehrten al-Ghazali aus dem 11. Jahrhundert beherzigen. Er sagte, dass bei einem Widerspruch zwischen naturwissenschaftlich gesichertem Wissen und dem Wortlaut religiöser Textstellen, letztere metaphorisch verstanden werden sollten. Denn den Schöpfungsversen des Koran ginge es um theologische Grundaussagen und nicht um Schöpfungsdetails.
 
Dem wird oft entgegnet, dass die Evolution nicht nur ein Detail sei, sondern Gott vollständig durch ungerichtete Naturprozesse ersetzen würde. Dieser Einwand trifft nur zu, wenn man Erschaffung als plötzlichen göttlichen Eingriff in eine geordnet verlaufende Welt sieht.
 
Islamische Theologen haben aber vor tausend Jahren schon
Naturgesetze als Schöpfungsgewohnheiten Gottes verstanden. Gott ist demnach keine Erklärung unverstandener Naturphänome, sondern die Macht, die alles in der Schöpfung Moment für Moment neu erschafft, und dies auf eine geordnete Weise tut. Damit wäre auch die Evolution eine Schöpfungsgewohnheit Gottes, mit der er alles auseinander
hervorgehen lässt. Gottes Einheit wird so also auch in der Einheit der Natur manifest.
 
Darauf wird oft erwidert, die Evolutionstheorie sei an sich materialistisch. In der Tat wurde und wird sie oft für einen Materialismus instrumentalisiert, für den kein Gott existiert. Dabei lassen auch evolutionäre Theorien Raum für sehr unterschiedliche Metaphysiken. So gab es lange vor Darwin evolutionäre Ansätze auch bei den gottgläubigen Muslimen.
 
Der Historiker John William Draper aus dem 19. Jahrhundert spricht sogar von einer „muhammadanischen Evolutionstheorie“ vor Darwin und Lamarck. Diese wurde beispielsweise vertreten vom tunesischen Historiker Ibn Khaldun aus dem 14. Jahrhundert. Er schrieb in seinem Werk Muqaddima, dass sich die Lebewesen im Zuge einer schrittweisen Schöpfung von den Mineralien über Pflanzen und Tiere bis zum Menschen hin entwickelt hätten. Und dass Arten, sobald sie ihre höchste Stufe erreicht haben, bereit seien zur ersten Stufe der nächsthöheren Art zu werden.
 
Geradezu visionär mutet schließlich die Äußerung Ibn Khalduns an, die Vorstufe zum Menschen liege in der Welt der Affen.
(Mein aktueller Text in “Islam in Deutschland” auf SWRinfo)

Lasset uns in shâ’a Allâh… eine Theorie der Quantengravitation finden!

“Lasset uns in shâ’a Allâh eine konsistente und renormierbare Theorie der Quantengravitation finden.”
 
-“In shâ’a Allâh, akhî! Die Brüder und Schwestern der Ansâr al Khilâfa al Islâmîya al fannîya (Helfer der islamischen naturwissenschaftlichen Nachfolgeschaft) arbeiten schon seit Jahren daran. Sie haben dazu eine neue mathematische Theorie entwickelt.”
 
“Mâ shâ’a Allâh! Kommt sie ohne die kompaktifizierten Raum-Zeit-Dimensionen der Stringgtheorie aus?”
 
-“Al hamdulillâh, das tut sie. Die Brüder und Schwestern haben in der Nacht der Geburt unseres geliebten Propheten Muhammad ‘alayhissalâtu wassalâm eine neue nicht-abelsche Symmetriegruppe auf einem quaternionischen Isospinraum mit gebrochener Dimension entdeckt, die den Gruppentheoretikern der jüdischen und christlichen ahl al-kitâb entgangen sein muss.”
 
“Sie haben den erhabenen Qur’an offensichtlich sehr ernst genommen. Denn er sagte doch noch in Medina zu den Juden, Christen und Muslimen: “Eifert untereinander um das Gute.” Aber wir genau ist dies ihnen gelungen?”
 
– “Sie haben Tag und Nacht gearbeitet, jede freien Minute zwischen Büchern und Zeitschriften und im Disput verbracht. Ich dachte schon, sie hätten den Verstand verloren. Aber es war viel mehr so, dass sie viel tiefer und klarer in die Nacht des Quantenvakuums blickten, als es mir je möglich war. Nie traf ich sie an, ohne dass sie etwas schrieben, lasen, heiter disputierten oder in Gedanken versunken waren. Wann immer ich ihnen begegnete, forschten sie entweder an ihrer Theorie weiter, programmierten sie numerische Näherungen ihrer analytischen Theorie, oder sie standen beim Gebet, oder gingen wie einst Abu Ali Ibn Sina in die Moschee um dort den Schöpfer des Alls um Inspiration anzuflehen für die Lösung ihrer Integralgleichungssysteme, nachdem sie eine großzügige Sadaqa gespendet hatten.”
 
“Mâ shâ’a Allâh! Und Allah (swt) spendet seine erhabene Sakîna in die Herzen genau solcher feinen Geister. Wie könnte je Kufr und Shirk in solche Herzen dringen? Noch eine Frage: Liefert die Theorie empirisch validierbare Ergebnisse?”
 
-“Bei Allah, und ob sie das tut! Das Gewebe der Raumzeit samt den konstitutiven Quantenfeldern der Schöpfung erhebt sich daraus wie die Sonne nach dem Fajr-Gebet an einem klaren Sommertag. Ich habe es selbst siebenmal in allen Einzelheiten nachgerechnet. Wallâhi, es war jedes Mal wie eine Tawâf beim Hajj in Mekka.”
 
“Subhânalllâh! Du hast von gebrochener Dimension des Isospinraums gesprochen. Ich hätte nie gedacht, dass die Dimension eines Isospinraums gebrochen sein könnte. Das gab es bislang nur in der dimensionalen Regularisierung als störungstheoretische Zwischenstufe. Wird die Theorie dadurch nicht unschön?”
 
-“Unser Prophet, sallallâhu ‘alayhi wasallam, hat gesagt: “Allâhu subhânahu wa ta’âlâ ist schön und er liebt das Schöne.” Ist es denkbar, dass eine Theorie, die die Schöpfung Allahs erfolgreich beschreibt, hässlich ist?”
 
“Bei Allah, nein! Erhaben ist er über das, was die Mushrikûn ihm beigesellen. Sein sind die schönsten Namen und Gleichungen, und ihn preist, was in den Himmeln und auf der Erde ist!”
 
-“Sadaqta, akhî! Unseren Brüdern und Schwestern ist es gelungen eine Quantenfeldtheorie in Non-standard-Analysis zu formulieren, deren Anfang eine algebraische Basmala, deren Mitte ein kosmischer Tasbîh und deren Ende die ‘ibâda von Vernunft und Herz ist.”
 
“Das erinnert mich an die Âya “Wir werden ihnen an den Horizonten und in ihren Herzen unsere Zeichen zeigen, auf dass sie erkennen, dass es die Wahrheit ist.” Mâ shâ’a Allâh! Allah ‘azza wa jalla bezeichnet die wahren Mu’minîn im erhabenen Qur’ân in einer anderen ehrwürdigen âya der Sura Âl-i Imrân als jene, die im Sitzen, Liegen und Stehen Dhikrullâh machen und über die Erschaffung der Himmel und Erde nachdenken.”
 
– “Subhânallâh, sie sind Hoffnung für die Umma des Islam und der anderen Religionen und Weltanschauungen. Sie werden den Tawhîd, der in der Natur manifest ist, für jeden sichtbar machen, in shâ’a Allâh. Die Baraka dieser Tat wird die Welt für immer erleuchten. Allah (swt) möge ihren Verstand erleuchten und uns alle zur Wahrheit führen.”
 
“In shâ’a Allâh, Bruder. Was planen sie danach?”
 
– “Eine Schwester meinte, das sie gemeinsam mit einigen Freunden von den Yahûd und den Nassâra an einem Mittel gegen den Krebs forschten und schon große Fortschritte darin gemacht haben. Sie wird die bisherigen Ergebnisse nächste Woche auf einem Wissenschaftscamp in Sham in Syrien vorstellen.”
 
“Subhânallâh! Wie es in einem ehrwürdigen Hadith heißt: “Die Engel senken ihre Flügel vor den Suchern des Wissens”. Und im heiligen Qur’an heißt es, dass das Retten des Lebens eines Menschen dem Retten der Menschheit gleichkommt.”
 
– “Das ist noch nicht alles. Der Arbeitskreis der sunnitisch-schiitischen Ansâr Dâr as-Salâm wiederum hat ein hoch effizientes globales Netzwerk gegründet, das quer durch alle Ideologien der Welt verläuft, und mit dem sie glauben das Blutvergießen auf der Erde stoppen zu können. Sie nennen dies den Bund der Vernünftigen. Dieser Bund besteht aus autonomen Arbeitsgruppen aller Weltanschauungen in allen Regionen der Welt, die sich im Wunsch vereinen, wie sie sagen, die Welt aus den Händen der Irren aller Religionen und Ideologien zu retten.”
 
“Ich kenne interreligiöse Dialoge und Friedensmärsche. Aber wie bei Allah soll das hier funktionieren?”
 
– “Sie sagen, die Anhänger jeder Ideologie kennen die Irren und Gestörten aus ihren Kreisen am besten und sind damit auch ihre wirksamsten Feinde. Sie sagen, entweder gehen wir alle gemeinsam zugrunde, oder wir befreien uns alle gemeinsam von unseren Irren. Sie sagen, eine Welt, die von Kapitalisten, Nationalisten, Faschisten, Psychopaten und Glaubensfanatikern aller Kulturen zugrunde gerichtet wird, kann nur durch einen Schulterschluss der Vernünftigen aus all diesen Kreisen gerettet werden. Ihr Kommunikationssystem ist ähnlich komplex wie die bisherigen quantenmechanischen Rechnungen der Ansâr al Khilâfa al Islâmâya al Fannîya. Das Organigramm sieht aus wie ein neuronales Netzwerk. So etwas habe ich noch nie gesehen.”
 
“Wallâhi, das klingt noch viel schwieriger als die Suche nach einer konsistenten Theorie der Quantengravitation.”
 
– “Ja. Sie sagen aber, dies erfolgreich durchzuführen sei ‘ibada und unabweisbare Pflicht, da die Engel ja einst als Bedenken gegen die Erschaffung der Menschen vor ihrem Schöpfer vorgebracht hatten, dass diese im Unterschied zu den Engel für Blutvergießen sorgen könnten. Sie sagen nun, es ist die oberste Pflicht für die wahren Muslime sei diese Bedenken zu widerlegen, da diese Zweifel in den letzten Jahre wieder lauter geworden seien. Da es auch einige fehlgeleitete Muslime waren, deren verwerfliche Gewalt an Unschuldigen mit zu dieser neuen religionsfeindlichen Stimmung beitrug, fühlten sich unsere Brüder und Schwestern besonders beleidigt und provoziert. Sie wollen sich nun für diese Beleidigung der Ehre des Islam an jenen irregeleiteten Muslimen rächen, die die Zeichen Gottes für einen geringen Preis verkauft haben. Und an all ihren Gleichgesinnten weltweit. Mit einer noch nie dagewesenen Offensive für den Weltfrieden.”
 
“Ist das dein Ernst?”
 
– “Ja, Bruder. Ich sah noch nie so einen Ernst in den Augen dieser jungen Leute, die selbst alle Kinder von Krieg und Verfolgung sind.”
 
“Yâ Rabbanâ! Gib du ihren und unseren Herzen Kraft um sie erfolgreich zu machen in der dunya und in der akhira!”
 
-“Âmîn!”
 
(ein Dialog, inspiriert durch den Buchtitel “Lasset uns in sha’a Allah ein Plan machen” von Michael Kiefer et al. über einen Whatsapp-Chat von IS-Jüngern während einer Terroranschlagsplanung.
 
Ich finde meinen Dialog WESENTLICH islamischer, Subhânallâh!)

Ich werde mich nicht daran gewöhnen (SWRaktuell)

Mein heutiger Kommentar in “Islam in Deutschland” auf SWRaktuell:
 
Ich werde mich nicht daran gewöhnen – an die blauen Wahlplakate, die Wochen lang vor meiner Wohnung prangten. Die zugehörigen Pamphlete lagen auch in meinem Briefkasten. Eine Broschüre trug den Titel „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Gemeint ist damit freilich: „Muslime gehören nicht zu Deutschland.“ Darin findet man Bilder von betenden Muslimen und Moscheen neben Bildern von Messer zückenden Terroristen.
 
Ich werde mich nicht daran gewöhnen – an den Hinweis aus der blauen Broschüre in meinem Briefkasten, dass „religiös motivierter Terror in Deutschland bisher immer muslimisch gewesen“ sei. Hier werden offensichtlich Attentate radikaler Islamisten in Deutschland zu „muslimischem Terror“ verallgemeinert. Diese Wortwahl scheint mir jedoch nicht legitim. Genauso wenig, wie es mir legitim scheint Terror „christlich“ zu nennen, wenn Terroristen christlich-religiös argumentieren, wie es etwa die ugandische Lord’s Resistance Army tut.
 
Eine Rede von muslimischem Terror beabsichtigt letztlich Angst auch vor allen anderen bekennenden Muslimen zu schüren. Dabei haben diese den Terror im Namen des Islam schon vielfach geschlossen verurteilt. Denn die absolute Mehrheit der Muslime vertritt ein Islamverständnis, in dem Gewalt gegen friedliche Zivilisten kategorisch abgelehnt wird.
 
Ich werde mich nicht daran gewöhnen – an die einseitige Fokussierung auf religiös motivierten Terror in Deutschland, bei gleichzeitiger Ausblendung der sprunghaft angewachsenen Gewalt Rechtsradikaler. Man denke da an den NSU-Terror und an die über 3000 Anschläge auf Flüchtlinge und deren Heime im vergangenen Jahr mit über 500 Verletzten, wie das Bundeskriminalamt zählt. Das wird man in den blauen Broschüren jedoch nicht zu lesen bekommen.
 
Ich werde mich nicht daran gewöhnen – an Parteispitzen, die eine in Deutschland geborene deutsch-türkische Staatsministerin nicht nur sachlich kritisieren. Sondern hinzufügen, dass man sie in Anatolien entsorgen könne, und dass sie in der Bundesrepublik nichts verloren
habe. Wer so redet, der missachtet viel – unter anderem, dass unser Grundgesetz eine Diskriminierung aufgrund von Abstammung kategorisch ausgeschlossen hat.
 
Die mit der Flüchtlingskrise einhergehenden Probleme sind bekannt. Auf der Suche nach verfassungskonformen Perspektiven müssen sie auch weiterhin kontrovers diskutierbar bleiben. Rechtspopulisten werden jedoch nichts zu ihrer Lösung beitragen.
 
Als deutsch-türkischer Muslim bin ich stolz auf die gewaltigen humanitären Leistungen des deutschen Staates und der deutschen Zivilgesellschaft in der Flüchtlingskrise. Dabei wurden hier Ehrenamt und Humanität in einem Ausmaß sichtbar, das Geschichte geschrieben hat.
 
Für mich ist schließlich noch entscheidend, dass wir Muslime es uns von niemandem ausreden lassen, dass wir in einem wundervollen Land leben, das im Ernstfall seine Minderheiten schützt.
 
(Quelle: Islam in Deutschland auf SWRinfo, 6. Oktober 2017)

Mein Racheplan gegen den IS

Zum Teufel mit dem IS, ihren Ideologen und ihren Priestern der Finsternis.

Hier folgt mein ab sofort in Kraft getretener Rachplan gegen den IS und die von ihm verführten Jungschergen der Terrors:

* mich weiterhin stolz als gläubigen und praktizierenden Muslim bezeichnen

* mich weiterhin stolz an Anhänger des Propheten Muhammad, und als Gläubiger des Korans bezeichnen

* noch mehr Zeit für Gottesdienste

* noch mehr Zeit für Spiritualität und Mystik

* noch mehr Zeit für Physik, Mathematik, Philosophie

* noch mehr Zeit für intensive Koranstudien

* noch mehr innerislamischer Dialog

* noch mehr Dialog zwischen Sunniten, Schiiten, Aleviten

* noch mehr Einsatz für einen liberal-konservativen Schulterschluss im Islam

* noch mehr Dialog mit Juden

* noch mehr Dialog mit Christen

* noch mehr Dialog mit Atheisten

* noch mehr Zeit zum Musizieren nehmen

* noch mehr Zeit für Moscheebesuche

* für noch mehr Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden werben

* theologisch fundierte Diskussionen, Zurückweisungen und Widerlegungen der Thesen des radikalen Islamismus, Salafismus und Dschihadismus

* noch mehr Zeit mit Nichtmuslimen verbringen

* seinen Job noch besser machen als bisher

* sich noch deutlicher als Muslim “outen”, Gesprächsangebote machen

* die radikale Islamisten und radikale Salafisten noch deutlicher als Anhänger einer krankhaften Ideologie enttarnen

* sich noch tiefer in den Koran hineinarbeiten, ihn komplett der Fremdverfügung durch krankhafte Ideologien entziehen

* noch mehr Zeit für muslimische Jugendliche nehmen

* von europäischen Städten und der liberalen Kultur hier schwärmen

* Kant lesen, Planck lesen, Einstein lesen

* Ghazali lesen, Biruni lesen, Said Nursi lesen

* für den Weltfrieden beten

* von Aufklärung, Wissenschaft und Bildung schwärmen

* vielleicht gerade jetzt den naiven und total unzeitgemäßen Satz “Islam ist Frieden!” hochhalten – und zwar gegenüber dem IS und Konsorten

* stolz auf den verstorbenen Physiker Abdus Salam sein, ihn als Muslim ehren, zugleich die ganzen wissenschaftsfeindlichen Islamvorheuchler, aus deren Kreisen die Terrorvordenker und -praktiker stammen, zu kranken Vollidioten erklären

* Abdus Salam lesen, seine physikalischen Artikel runterladen und im Geiste von Gottesdienst studieren

* Quantenfeldthorie betreiben, ganz im Geiste islamischen Gottesdienstes

* stolzer Muslim sein

* stolzer Europäer sein

* stolzer Türke sein

* stolzer Deutscher sein

* stolzer Gegner von Nationalismus und Fundamentalismus sein

* glücklich und gelassen sein

* sich kein schlechtes Gewissen für die Taten gestöterter anderer einreden lassen

* vergeben und vergessen, bis auf die Fratzen des IS

* Berufsfundamentalisten, die ihr Geld mit dem Verhindern von Diskursen und Fortschritt im islamischen Denken verdienen, als Dummköpfe, Hofnarren und Vollidioten brandmarken

* von Menschrenrechten, Demokratie und Islam schwärmen

* stolz verkünden, dass ich Europäer bin, und dass es hier Muslimen wesentlich besser geht als unter dem IS

* mehr Zeit für Familie, Freunde, Nächste

* mehr Familienspaziergänge im Herzen Stuttgarts

* mehr Zeit für meine Liebste, für Romantik, für Gedichte

* mehr Lesen, Schreiben, Musizieren

* wieder auf ein gutes Konzert gehen, bevorzugt auf ein Heavy-Metal-Konzert

* Iron Maiden auflegen, Boxen an und voll aufdrehen

* Allah für all das danken, von ganzem Herzen…

Kommen Nichtmuslime in die Hölle?

Talip: “Hey Jungs, eine Frage: Stimmt es eigentlich, dass aus islamischer Sicht Nichtmuslime, die vom Islam wissen, aber nicht konvertieren, automatisch in der Hölle landen?”
 
Latif: “Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Denn der Koran sagt eindeutig, dass für eine Errettung im Jenseits das Befolgen einer Offenbarungsreligion ausreichend ist, konkret vor allem der Glaube an Gott und das Jenseits und das Verrichten guter Werke (Sure 2, Vers 62 und Sure 5, Vers 69). Und er sagt in einer seiner spätesten Suren, dass Juden und Christen sich zur Errettung am Kerngehalt ihrer eigenen Offenbarungen orientieren sollen (Sure 5, Verse 43-44 und 47).”
 
Faruk: “Latif, du machst es dir da zu einfach, diese Verse erfordern eine Auslegung. Denn an anderen Stellen sagt der Koran in deutlichen Worten, dass Allah im Jenseits keine Religion außerhalb des Islams annehmen wird (Sure 3, Vers 85), und dass die, die einen Teil der Propheten anerkennen und die anderen ablehnen die wahren Ungläubige sind (Sure 4, Vers 150-151).”
 
Talip: “Das ist wirklich verwirrend, Leute. Wie solle das denn gleichzeitig zusammengehen? Arif, was meinst denn du dazu?”
 
Arif: “Wenn du eine eindeutige Antwort auf die Frage willst, wer aus deinem Umfeld nun errettet wird oder verloren ist, dann kann ich dir auch nicht weiterhelfen. Latif und Faruk zitieren beiden den Koran und es kostet in der Tat Auslegungsaufwand um beides zusammenzubringen. Dass es eine widerspruchsfreie Lösung geben muss, ist für uns alle ja wohl klar. Ich kann dir gerne erzählen, wie ich damit umgehe. Aber insgesamt bin ich da eher bescheiden. Ich kann dir nicht sagen, welcher Nichtmuslim hier und heute vor Gott verloren ist, egal ob er Muslime kennt oder schon mal eine Koranübersetzung gelesen hat, oder so. Aber es gibt gute Argumente, denen vielleicht auch Faruk zustimmen wird, die zeigen, dass wir niemanden, der außerhalb des Islams steht, für automatisch verloren erklären können – und zwar nicht, weil er einer anderen “wahren” Religion angehört, wie Latif wohl sagen würde, sondern eher aufgrund des Prinzips, dass Gott von keinem Menschen mehr verlangt, als er zu leisten vermag (Sure 2, Vers 286) und des Prinzips, dass vor Gott letztlich die Absicht das Entscheidende ist.”
 
Faruk: “Aber das relativiert doch vollkommen den Wahrheitsanspruch des Islam.”
 
Latif: “Wieso? Damit der Islam wahr sein kann, müssen nicht erst alle anderen Religionen falsch sein.”
 
Arif: “Ich denke, so meine ich das nicht. Der Islam ist für mich schon der wahre Weg und es scheint mir logisch nicht möglich, dass mehrere sich widersprechende Religionen im gleichen Sinne gleichzeitig wahr sein können. Ich will Wahrheit also nicht relativieren. Und ich gestehe natürlich den Anhängern aller anderen Religionen und Weltanschauungen ebenso zu das selbe über ihren Glauben zu denken und meinen Glauben als nur teilweise wahr oder sinnvoll anzusehen. Natürlich will ich anderen Religionen nicht auch den Besitz zentraler Wahrheiten und großer Weisheiten komplett absprechen. Da gibt es überall viele wertvolle Erfahrungsbestände, von denen wir lernen können. Aber als Gesamtpakete gedacht, können sie, wenn ich das richtig einschätze, nicht alle gleichzeitig in gleicher Hinsicht wahr sein. Das gleiche gilt auch für sich widersprechende Islamverständnisse. Toleranz muss natürlich sein, da gibt es kein zurück. Das bedeutet aber nicht, dass man das Tolerierte für wahr oder richtig halten muss. Wir sind aber allen Menschen schuldig ihnen ihre volle Wahrhaftigkeit, also ihre Absicht zur Wahrheit, anzuerkennen. Vielleicht ist Wahrhaftigkeit vor Gott manchmal wichtiger als mehr oder weniger durch glückliche Umstände in einer wahren Religion zu landen. “Alle Taten werden gemäß der Absicht beurteil”, heißt es im Hadith.”
 
Faruk: “Aber genau so ein Argument relativiert doch den Wahrheitsanspruch des Islam.”
 
Arif: “Nein, was ist tue, ist etwas anderes: Ich relativiere die Erkenntniskraft des Menschen, also ihr Vermögen unter heutigen Bedingungen, lange nach dem charismatischen Wirken eines Propheten, zweifelsfrei erkennen zu können, welche Religion die wahre ist.”
 
Talip: “Aber dann kann doch jeder jederzeit alles glauben, und es wäre alles vor Gott gerechtfertigt.”
 
Latif: “Und selbst wenn, was wäre daran schlimm? Was schadet das denn dir, was die anderen glauben?”
 
Arif: “Latif, du plädierst für totale Toleranz – das tue ich auch. Ich denke aber, Talip geht es um die Frage, wie man gleichzeitig tolerant sein kann ohne in sofortigen Widerspruch mit dem Koran zu kommen, an den wir ja glauben. Nur das ist die Frage hier. Laut Faruk könnte man diesen Konflikt nur vermeiden, wenn man zwar einerseits tolerant ist, aber gleichzeitig zugesteht, dass alle Wege außerhalb des Islams in die Hölle führen müssen, nachdem man das Wichtigste vom Islam erfahren hat.”
 
Faruk: “Ja, so in die Richtung gehe ich.”
 
Arif: “Diese Position ist auch unter toleranten Muslimen bzw. auch Christen in Bezug auf ihren Glauben verbreitet und ich will sie keineswegs verurteilen. Und: Sie hat Tradition. Ich halte sie auch heute für alltagstauglich, wenn sie trotzdem Nichtmuslime als vollwertige Mitmenschen akzeptiert und respektiert, auch wenn sie im Jenseits als vermutlich verloren gelten. Aber vielleicht gibt es noch andere Positionen, die ebenfalls korankompatibel sind, aber weniger drastisch im Spekulieren über das jenseitige Los von Nichtmuslimen sind. Das würde mir irgendwie eher behagen.”
 
Faruk: “Arif, Wahrheit muss nicht immer behagen, das weißt du.”
 
Arif: “Klar, das ist so. Aber das gilt auch für dich: Ich zumindest bezweifele, dass deine Position schon die endgültige wahre islamische Meinung hierzu sein muss, auch wenn es die Mehrheitsmeinung der Gelehrten sein sollte. Ich möchte gerne weitersuchen. Schauen wir nochmals Latifs Position an. Laut Latif muss Toleranz auch beinhalten, dass man die anderen Religionen als wahr respektiert, ohne sich jedoch ihnen anschließen zu müssen. Wie gesagt, scheint mir das logisch schwierig. Zudem könnte hier Faruk noch eine Menge Verse anführen, die diese Position schwächen.”
 
Latif: “Ich könnte aber auch noch eine Menge Verse finden, die Farkus Position schwächen. Es ist nicht richtig den Islam nur auf die Religion unseren Propheten Muhammad zu reduzieren. Der Islam ist die universelle Religion der Menschheit, die zigfach von allen Propheten der Welt ihrem Volk gemäß ihres Verständnisses vermittelt wurde. Der muhammadanische Islam ist der Höhepunkt und das Ende der Heilsgeschichte. Warum ist das so schwer zu verstehen, dass Gott es nicht zulassen würde, dass alle Offenbarungsreligionen komplett verfälscht werden. Macht denn die Idee einer Totalverfälschung aller vorislamischen Religionen, von der der Koran gar nicht ausgeht, denn Sinn, wenn Gott doch ohne Zweifel die Macht besitzt den wahren Kern der Religionen auch dann zu schützen, wenn sich hier und da Irrtümer einschleichen und die Priesterklassen korrupt werden? Der Koran ist eine Reformaufforderung an alle anderen Religionen, also eine Aufforderung ihre nachträglichen Irrtümer zu erkennen, zu korrigieren und zu ihren wahren Wurzeln zurückzukehren. Der Koran kam ja gerade um die These der damaligen Juden und Christen zu widerlegen, dass nur sie ins Paradies kämen (Sure 2, Vers 111-112). Warum sollten wir nun den selben Fehler wiederholen”
 
Talip: “Warum ist das alles so kompliziert? Wieso hat sich Gott nicht einfach eindeutig und klar für das eine oder andere ausgesprochen?”
 
Faruk: “Das hat er! Latif meint es wirklich gut, aber dann soll er mir mal erklären, warum der Koran jene zu Ungläubigen erklärt, die nicht alle Propheten anerkennen, also auch unseren und ihm somit Folge leisten, wie der Koran es will.”
 
Arif: “Jungs, ich habe noch eine Alternative zu euren beiden Positionen. Also ich möchte nochmals meinen Ausgangspunkt betonen: Gott verlangt von keinem Menschen mehr, als er zu leisten vermag. Und in der heutigen nachprophetischen Zeit ist das Licht der Propheten bei weitem nicht mehr so deutlich erkennbar wie zu Zeiten eines Propheten Moses, Jesus oder Muhammad. Damals konnte die Zusage zu ihnen, die von Gott geleitet und mit entsprechendem Charakter und mit Zeichen und Wundern versehen waren, ohne Zweifel als Maßstab für Glauben gelten. Viele Menschen, die heute nicht an alle diese Propheten glauben, hätten es damals vielleicht getan. Ich glaube, da steckt ein System dahinter, das von Gott ganz und gar so vorgesehen ist. Dieses System funktioniert auch dann, wenn wie den Widerspruch zwischen Latif und Faruk nicht auflösen können oder wollen.”
 
Faruk: “Aha, so so. Kannst du den Konflikt zwischen Latif und mir denn nicht auflösen, oder willst du einfach nicht?”
 
Arif: “Mmhh… Das müsste ich mich erst noch überlegen…”
 
Latif: “Jetzt tu nicht so, als ob du dir das nicht schon überlegt hättest.”
 
Arif: “Wie dem auch sei. Ich habe einen anderen Vorschlag. Ich versuche euch mal zu erklären, warum man meiner Meinung nach für eine Klärung der Heilsfragen zunächst die gottgegebenen Grenzen der Erkenntniskraft der menschlichen Vernunft untersuchen sollte. Es könnte sein, dass sich hinterher euer Problem zumindest teilweise als Scheinproblem entlarvt. Am Wahrheitsanspruch des Islams ändert sich dadurch nichts, aber an der Art und Weise, wie man über das vermutliche Los von Nichtmuslimen im Jenseits sprechen sollte. Danach könnt ihr meine Position gerne auseinandernehmen.”
 
Faruk: “Na, dann leg mal los.”
 
(Einleitung Ende)
 
Substanzielle und erkenntnistheoretische Begründungsversuche von Heilsinklusivismen im Islam
 
1         Einleitung
2         Substanziell-inklusivistische Ansätze und die koranische Basis.
2.1        Die Bedingungen für das Heil der Buchbesitzer laut Ateş.
2.2        Der substanziell begründete Inklusivismus vor dem Hintergrund des Korans.
2.2.1       Gruppe 1: Theologische Legitimation zur Beibehaltung eigener Religion.
2.2.2       Gruppe 2: Abraham statt christlich-jüdischer Exklusivismen.
2.2.3       Gruppe 3: Würdigung des Korans durch Buchbesitzer
2.2.4       Gruppe 4: Kritik an Theologien der Buchreligionen
2.2.5       Gruppe 5: Anerkennung Muhammads als Heilsbedingung
2.3        Zwischenfazit
2.4        Die drei Aporien des substanziell begründeten Inklusivismus.
3         Erkenntnistheoretisch-inklusivistische Ansätze und die koranische Basis
3.1        Al-Ġazālīs erkenntheoretischer Ansatz in der Heilsfrage
3.2        Struktur des erkenntnistheoretischen Ansatzes
3.3        Koranische Basis des erkenntnistheoretisch begründeten Inklusivismus
3.3.1       Je mehr Klarheit, umso mehr Verpflichtung
3.3.2       Verpflichtung und Straffähigkeit setzt erkennbaren Gesandten voraus
3.3.3       Die Gegenwart von Propheten hat verpflichtenden Charakter
3.3.4       Annahme der klaren Beweisbarkeit der Wahrheit des Koran
3.3.5       Unglaube als kategorische Weigerung selbst bei Wundern zu glauben
3.3.6       Unglaube als Leugnung trotz besseren Wissen
3.3.7       Annahme von Wissen um Muhammad beim Volk der Schrift
3.4        Weitere Hinweise auf konfessionsunabhängigen Unglauben
3.4.1       Unglaube als Leugnung aus Hochmut
3.4.2       Unglaube als Leugnung aus Neid
3.5        Adressatenorientiertes Kohärenzideal der koranischen Argumentation
4         Fazit und Ausblick

Interview zum islamrechtlichen Status des IS

Frage: Was ist der IS?
 
Antwort: Der IS ist die wohl verblendedste, barbarischste, feigste und ehrenloseste Terrororganisation der Welt.
 
Frage: Aber der IS argumentiert doch islamisch – sollte man dies nicht auch erwähnen?
 
Antwort: Pfff, meinetwegen. Der IS ist neben oben Genanntem auch eine von Viren zerfressene Raubkopie des Islam. Das macht ihn nicht islamisch. Verdorbene Religion ist nicht besser als verdorbenes Fleisch. Der IS ist eine Splatter-Karikatur des Islam. Der IS vertritt ein Islamverständnis (bzw. -unverständnis), das zurecht und notwendigerweise von fast allen Muslimen und recht und billig denkenden Menschen abgelehnt wird.
 
Frage: Aber die Theologie des IS scheint doch für manche junge Leute ansprechend zu sein.
 
Antwort: Eben. Aber an dieser Stelle geht es nicht um Theologie, sondern um anderes, unter anderem um Testosteron. Merke: In der Praxis schlägt Testosteron jede noch so konservative oder liberale, steinharte oder kuschelweiche Theologie. Wir leben nicht in Zeiten der Wahrheitssuche, sondern in einer Zeit der Gier nach klar abgegrenzter und eindeutiger Identität. Die Rolle von Theologie wird überschätzt, wenn es um die Erklärung kollektiver, psychologischer und tendenziell triebgesteuerter Verhaltensmuster geht, wie es dem Habitus des IS zu eigen ist.
 
Frage: Habitus des IS?
 
Antwort: Morden, Gewaltpornos drehen und damit global exhibitionieren gehen, vergewaltigen, den Dicken geben. Das ist der IS.
 
Frage: Aber es gibt doch auch Terorrorganisationen aus anderen weltanschaulichen Zusammenhängen, sowie technologisch hoch entwickelte Unrechtsstaaten auf der Welt. Und keiner kann behaupten, dass der IS global bisher mehr Leid angerichtet hätte als der Raubtierkapitalismus. Warum werden Sie bei diesen nicht so wütend wie beim IS? Wo bleiben Ihre Verwünschungen und Wuttiraden dort?
 
Antwort: Nun, nüchtern betrachtet haben Sie Recht. Dass die Barbarei im IS unmittelbar manifest ist, ja ihr Wesen definiert, relativiert nicht die Barbarei, die in der Doppelmoral der moralisch ambivalenten Moderne als jederzeit aktivierbares – und oft genug aktiviertes – Potenzial vorliegt. Aber: Die meisten Raubtierkapitalisten und Waffenanbeter dieser Welt begehen ihre Verbrechen nicht im Namen meiner Religion. Die Verbrecherorganisation des IS hingegen hat sich mein Glaubensbekenntnis auf ihre Flagge geschrieben! Verstehen Sie? Da steht “La ilaha illa Allah, Muhammadun Rasul Allah”. Diesen Satz zitieren selbst besoffene Muslime regelmäßig. Es ist unser Glaubensbekenntnis. Diese Gewaltpornodreher haben das auf ihre Flagge geschrieben. Verstehen Sie? Diese Typen sind !?#@!$”e798asfjkmsdf (längerer zensierter Abschnitt)! Verstehen Sie mich?
 
Frage: Ja, das war nicht misszuverstehen. Nebenbei: Ich wusste gar nicht, wie derb und in welch epischer Breite Sie fluchen können.
 
Antwort: Ja. Ähem. Danke. Wechseln wir das Thema.
 
Frage: Wo haben Sie dieses virtuose Fluchen gelernt?
 
Antwort: Wann immer ich versuche den IS rational mit Hilfe des Schreibens zu verarbeiten, lande ich nach ein paar Zeilen Analysen schon bei solchen originellen Verwünschungen und ganz schlimmen Ausdrücken. Und… Äh… Können wir endlich das Thema wechseln?
 
Frage: Wie ist der IS aus islamischer Perspektive einzustufen?
 
Antwort: Der IS ist wahrscheinlich genau die Art von Menschentum, vor der die Engel den Schöpfer vor der Erschaffung des Menschen warnten. Sie brachten ihre Bedenken zum Ausdruck, dass ein solches Geschöpf womöglich nur Blutvergießen und Verderben auf Erden anrichten würde (Koran, 2:30). Der IS schickt sich an die eigentlich durch die Vernunft- und Sprachfähigkeit Adams erledigten Bedenken der Engel wieder neu aufzuwerfen (Koran, 2:31-33).
 
Frage: Wie würden Sie den islamrechtlichen Status des IS beschreiben?
 
Antwort (wird wieder wütend): Pfff… Islamrechtlicher Status? Soll das ein Witz sein? Jedes im Dreck watende Wildschwein ist islamisch reiner als der IS.
 
Frage: Aber das Fleisch des Wildschweins ist doch haram. Ist da da so ein Vergleich angemessen?
 
Antwort: Und ob! Ich sagte ja nicht, dass das Wildschwein nun halal ist, nur weil es nun noch viel größere und unreinere Schweine gibt. Ich sagte nur, dass das Wildschwein im Vergleich zum IS reiner ist. Verstehen Sie? Außerdem sollten Sie solche Aussagen nicht analytisch überbewerten. Sie sind eher Absagen als Aussagen.
 
Frage: Aber mit diesem Wildschweinevergleich werden Sie arg polemisch. Ist Beleidigung ein angemessener Ton im Umgang mit so einem ernsten Thema?
 
Antwort: Stimmt, das war eine Beleidigung. Ich entschuldige mich bei allen Wildschweinen dieser Welt dafür, dass ich sie mit dem IS vergleichen habe. So eine Beleidigung hat auch das borstigste und schmutzigste Wildschwein der Welt nicht im Entferntesten verdient! Aber wo analytische Worte versagen, greift nun mal die verbale Gewalt durch, sehen Sie mir das bitte nach. Ich kann Ihnen aber versichern, dass diese Sprechweise eine immer noch vergleichsweise milde Annhäherung an das darstellt, was der IS in seinem inneren Wesen wirklich ist.
 
Frage: Danke für das Interview!
 
Antwort: Gerne!
 
(Hinweis: der Fragende und der Antwortende sind Stimmen meines inneren Teams)

Dürfen sich Muslime Juden und Christen zu Freunden nehmen?

In meiner Grundschulzeit waren alle Nationalitäten in meinem Freundeskreis vertreten: Deutsche, Italiener, Spanier, Portugiesen – allesamt Klassenkameraden, mit denen wir vormittags auf dem Pausenhof herumrannten und nachmittags entweder am C64 saßen und Giana Sisters spielten oder draußen die Gegend unsicher machten. Türken waren nahezu keine vorhanden. Mein bester Freund war ein Italiener. Er stand mir mit Fäusten bei, als mich zwei deutsche Klassenkameraden fast täglich auf dem Schulweg verprügelten – ich hatte ihren Zorn auf mich gezogen, als ich ihnen unüberlegt erzählt hatte, dass Türken viel mutiger seien als Deutsche. Einer von ihnen hat mich zwanzig Jahre später zu seiner Hochzeit eingeladen. Gelegentlich war ich bei dem Italiener daheim zu Gast beim Abendessen. Oft schlenderten wir vor Sonnenuntergang über die Felder und unterhielten uns über die Heimatstädte unserer Eltern oder über unsere Traumberufe. Er wollte damals Architekt werden und ich Arzt.

Meine Eltern schätzten meinen guten Kontakt zu meinen Klassenkameraden und ich hätte nicht gedacht, dass ich damit jemandes Missfallen erregen könnte – bis ich eines Tages von einem älteren Türken, der sich mit dem in den 90ern aufsteigenden politischen Islam in der Türkei identifizierte, etwas zu hören bekam, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ:

„Du kannst mit diesen Leuten nicht befreundet sein – denn im Koran steht: Nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden. Sie sind einander Freunde.“

Ich antwortete, dies könne doch nicht stimmen – bislang hatte ich vom Islam nur Dinge gehört, die ich schön fand, und meine Religion war mir sehr wichtig. Doch meine Freunde waren es mir auch. Und jeder Versuch mich innerlich von ihnen zu distanzieren brach mir das Herz. Ich erledigte das Thema für mich mit der resignierenden Feststellung, dass meine Freunde zwar Christen sind, dass ich mich mit ihnen aber viel besser verstehe als mit den wenigen türkischen Kindern, die ich damals kannte. Gott würde dafür Verständnis haben, dessen war ich mir sicher. Auch war ich mir sicher, dass irgendwas mit dem mir dargelegten Koranvers nicht so war, wie es mir der sendungsbewusste Bekannte vermittelt hatte. Leider war ich damals noch weit davon entfernt der Sache gründlicher auf den Grund gehen zu können.

(Hier geht es weiter)

Eine neofaktische Stinkefinger-Theorie

Manchmal scheint mir, das Haltbarkeitsdatum unserer Welt ist unbemerkt vor lauter “Debatten” klammheimlich abgelaufen und eine kosmologische Kotzorgie braut sich über uns zusammen…

Dann habe ich keine Lust all das philosophisch und differenziert zu kommentieren…

Nur Lust den Hirntötern dieser Welt (mein Gott, es sind so viiiiele!) einen postfaktischen, oder noch besser: einen neofaktischen Stinkefinger entgegenzuhalten, ehe sie uns alle um das letzte bisschen Vernunft bringen…

Das wäre mein Therapievorschlag!

Am besten zur besten Mittagszeit vom Schlossplatz in Stuttgart aus, aus allen Himmelsrichtungen sichtbar, unmissverständlich und ohne jede allegorische Umdeutbarkeit…

Es ging mir schon lange nicht so…

Wenn sich alle Hoffnungsträger, klein und groß, der Reihe nach verabschieden, zu fanatischen Anhängern der Unvernunft konvertieren, sich alle für unfehlbar und makellos erklären und gekränkt sind, wenn man ihnen einen noch so kleinen Spiegel entgegenhält…

Und wer leidet? Die vielen Menschen, die etwas von diesen Hoffnungsträger auf den unterschiedlichsten Seiten hielten und erhofften.

Sie alle haben diese Idioten nicht verdient.

Am besten letztere einsperren bis zur vollständigen Genesung, ehe man ihnen je wieder ein Fünkchen Verantwortung für irgendwas überträgt…

Aber nein, das geht nicht…

Genau das ist doch die Methode der Unvernünftigen, oder?

Aber kein noch so kleiner Spiegel ist denen willkommen.

Was also tun?

Ganz einfach.

Wir bleiben einfach beim neofaktisch universalisierten STINKEFINGER, zur besten Mittagszeit, mitten vom Stuttgarter Schloßplatz aus!

Und gehen unserem Leben und unseren Pflichten nach, intensiver und leidenschaftlicher als bisher, und versuchen das Haltbarkeitsdatum der Welt durch eine Auffrischung der Reserven und durch einen Schulterschluss der Vernünftigen quer durch alle Ideologien, Parteien und Gruppen etwas zu verlängern.

Und wenn doch noch die kosmologische Kotzorgie losbricht – Gott bewahre! – dann bleibt uns wenigstens die Heiligkeit des guten Willens, die Hoffnung auf der richtigen Seite gestanden zu haben, nämlich auf gar keiner der aktuell angebotenen…

Ich bin so sauer, ey…

Evolution und Schöpfung – Tagung in Münster

Ich hatte kürzlich die Freude zusammen mit Dr. Michael Blume, Prof. Ulrich Lüke, Prof. Achtner, Prof. Dittmar Graf, Dr. Heinz-Hermann Peitz und Alexander Schmidt in Münster aktiv an einer Tagung zum Thema Naturwissenschaft und Religion (Schwerpunkt: Evolution) mitzuwirken. Nachdem ich in Lichtgeschwindigkeit aufgrund von diversen Krankheitsausfällen auf muslimischer Seite vom bloßen Teilnehmer zum muslimischen Hauptreferenten aufstieg, stellte ich unterwegs noch einen Vortrag zusammen, in dem es um muslimische Haltungen zur Evolutionstheorie, zum Thema “Naturwissenschaften im BW-IRU-Bildungsplan” (s. Video, ab ca. 6:20), Occasionalismus (leider nur sehr knapp), Ghazalis Offenheit gegenüber naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die Möglichkeit der metaphorischen Auslegung (ta’wil) der als “mutashabih” geltenden Schöpfungspassagen des Korans (schon bei Ghazali), Mustafa Öztürks evolutionsneutraler Koranexegese, klassischen und modernistischen Positionen, zu den heutigen Vermittlungsschwierigkeiten zwischen islamischem Glauben und Naturwissenschaft und zu allgemein dem Glauben gegenüber offenen Perspektiven auf Seiten der theoretischen Physik ging.

Ich habe viel Interessantes über die innerchristlichen Debatten zu diesen Themen, aber auch zum Selbstverständnis naturalistischer Richtungen erfahren. Wir haben leidenschaftlich diskutiert über die Frage der intellektuellen Redlichkeit von Zweifeln an der Evolutionstheorie, über evolutionäre Schöpfungsmodelle (die in der (zumindest mitteleuropäischen) christlichen Theologie schon fast als Mainstream gelten können), über das christliche Trauma mit der Naturwissenschaft und über muslimisches Desinteresse am aktuellen Stand der naturwissenschaftlichen Forschung.

Bei Gelegenheit schreibe ich mal über all das.

In jedem Fall denke ich, dass diese Themen sicher viel mehr Muslime interessieren, und dass sowohl innerislamisch, als auch interdisziplinär hierzu viel mehr debattiert werden sollte.

Wenn ich noch konkreter werde, würde ich sogar sagen, dass die Frage nach dem Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Religion eine viel substanziellere und philosophisch weitreichendere Frage ist als die vielen anderen politisch gerahmten Streitthemen heute.

Ja, hier geht es wirklich um etwas Grundsätzliches, was nicht postfaktisch heruntergehandelt werden kann.

Hier geht es um Wahrheitsfragen, die alle Bereiche tangieren – darum bitte etwas mehr Ernst und Interesse für dieses Thema!

Und bitte mehr islamische Theologen, die sich für Naturwissenschaft interessieren!

(Zum Vergleich: Der christliche Theologe und Experte auf diesem Gebiet Philip Clayton meinte mal auf einer anderen Tagung, dass jemand, der vernünftig im Dialog zwischen Theologie und Naturwissenschaft tätig sein möchte, in zwei naturwissenschaftlichen Traditionen, in zwei theologischen Traditionen und in der vergleichen Philosophie grundlegend bewandert sein solle. Ich meine, dass dies für den Ernst des Themas eine plausible Forderung ist.)

Für mich persönlich als gläubigen Muslim und theoretischen Physiker geht es hier um eines der für mich wertvollsten Beschäftigungen überhaupt, nämlich um das Nachdenken über Allah als schöpferischer Instanz, die in den Regelmäßigkeiten der Natur an jedem Ort und zu jeder Zeit manifest ist.

Natürlich habe ich auch die Gelegenheit nicht ungenutzt gelassen Herrn Graf, der eine Studie zu Lehrermeinungen zur Evolutionstheorie durchgeführt hatte, meine Kritik an Michael Schmidt-Salomons akademischem Inquisitionsaufruf gegen muslimische Lehrkräfte, die nicht an die Evolutionstheorie glauben, entgegenzutragen, da die Herren Graf und Schmidt-Salomon immer wieder kooperieren.

Herr Graf machte mir glaubhaft, dass er selbst unglücklich darüber ist, dass sein Name mit den Äußerungen von Schmidt-Salomon in Verbindung gebracht wird, was ich ihm glaube.

Nicht, dass ich es als gläubiger Naturwissenschaftler für einen klugen Standpunkt hielte die Evolutionstheorie pauschal abzulehnen. Ich finde vielmehr: Das mindeste, was höhere islamische Bildung hierzu leisten sollte, ist es ein oder zwei islamisch reflektierte Modelle evolutionärer Schöpfung zu kennen und weiterzuentwickeln.

Nur halte ich es für einen ebenso unklugen Standpunkt Leuten, die aus welchen Gründen auch immer nicht an eine Evolution des Lebens und vor allem des Menschen bzw. zum Menschen glauben, ihre Vernunft oder Tauglichkeit als Lehrer abzusprechen, wie es Schmidt-Salomon kürzlich auf unschöne Art tat.

Dialog hin oder her (ich unterstütze den Dialog vollauf): Jedem muss es freigestellt bleiben, ob er ein vollständig evolutionäres Schöpfungsmodell vertreten möchte, oder ob er vom Regelablauf abweichende Momente des Schöpfungsgeschehens annimmt, wie es viele Muslime (aber auch Christen weltweit) tun, ohne dadurch zu schlechteren Menschen zu werden. Beides lässt sich meines Erachtens islamisch legitimieren.

Naturwissenschaftlich nahe liegender und mit einem “aufgeräumten” Schöpfungsmodell kompatibler sind vermutlich die evolutionären Modelle.

Ungünstig erscheint mir jedenfalls das auch heute noch verbreitete Modell des “Lückenbüßergottes”, der immer dann hervorgezogen wird, wenn aktuell ein Phänomen nicht naturgesetzlich erklärt werden kann. Die historische Erfahrung zeigt, dass eine solches Gottesbild sehr schnell schon den Rückzug gegen die Naturwissenschaft antritt. So ist es über viele Jahrhunderte geschehen – weil Schöpfung oft interventionistisch, statt kontinuierlich und “eutaxiologisch” ( = schöngesetzlich) gedacht wurde.

Viel schöner erscheint mir die Vorstellung eines erstaunlich lebensfreundlich geschaffenen Kosmos (oder gar eines solchen Multiversums), in dem Gott in jedem Moment über mathematisch ausgezeichnete Gesetzmäßigkeiten die Schöpfung fortstrickt und dabei sowohl die ganze Vielfalt der Dinge hervorbringt, als auch dabei in jedem Moment die mathematische Eleganz der fundamentalen Wechelwirkungen gelten lässt, da es die Manifestionen seiner Namen selbst sind, die hier Struktur und Ordnung hervorbringen.

Er könnte natürlich auch von seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten abweichen. Nichts würde ihn daran hindern.

Es ist aber nicht undenkbar, dass diese auch in so besonderen Kontexten wie der Erschaffung des Menschen, der Erde, des Sonnensystems etc. berücksichtigt bleiben.

Ich verweise an dieser Stelle auch gerne auf meinen Auslegungsvorschlag (Achtung, es ist wirklich nur ein Vorschlag) der 6-Tage-Schöpfung, der ebenfalls von einer Kongruenz göttlichen Schöpfungshandelns (dem Koran folgend) und phänomenologischer Naturgesetzlichkeit ausgeht ( http://blog.andalusian.de/6-tage-schoepfung-2/ ). Wenn das Sonnensystem ohne Bruch mit der Naturgesetzlichkeit geschaffen werden kann, dann könnte dies auch bei der Erschaffung der Menschheit der Fall sein.

Sehr gerne erinnere ich hier auch an die Metapher der Kalam-Theologen für Naturgesetze: “Gewohnheiten Allahs”. Wenn jeder Punkt im Raum in jedem Moment von Gott neu geschaffen (bzw. aktualisiert) wird, dann ist alles Schöpfung, in jedem Moment. Wichtig ist dann nur noch, DASS der Mensch existiert und von Gott im Sein gehalten wird, und nicht das genaue Vorgehen, wie Gott den Menschen in Abgrenzung von den affenähnlichen Australopithecinen erstmals hervorgebracht hat.

Zu all diesen Fragen (weniger zur Evolution, mehr zur theoretischen Physik) habe ich aktuell einige Texte in Arbeit.

Aber wie gesagt, die Naturwissenschaft ist kein Dogma, sondern ein rationales Angebot, dem auch rational widersprochen werden darf. Nur dadurch behält sie ihre große natürliche Autorität und Anziehungskraft.

Die Würde der Naturwissenschaft braucht keine Inquisition und auch keinen Zensor – insbesondere auch nicht in Form sendungsbewusster Naturalisten.

Kommunikation mit muslimischen Schülern (SWRinfo)

Ich bin seit einigen Jahren in der Lehrerausbildung tätig. Hierbei werde ich immer wieder mit Fragen zum Verhalten von muslimischen Schülern konfrontiert. Viele Situationen, die mir geschildert werden, ähneln sich dabei und weisen verwandte Schwierigkeiten auf. Ein Beispiel, an dem man gut Grundsätzliches erklären kann, war die Frage, warum manche muslimische Schüler in Deutschland die Schweigeminute für die Opfer der IS-Anschläge in Paris vom November 2015 boykottierten. Einige Lehrerkollegen befürchteten sogar schon extremistische Weltanschauungen bei ihren Schülern.

Auch wenn dies in wenigen Einzelfällen vielleicht hätte zutreffen können: In den meisten Fällen ging es hierbei um etwas Anderes, nämlich um eine Verunsicherung der Schüler hinsichtlich ihrer muslimischen Identität. Denn über das wichtige Zeichen der Solidarität mit den Opfern hinaus stellten sie sich die Frage, wer in dieser sensiblen Situation, die auf das Konto muslimischer Terroristen geht, indirekt mit verurteilt wird. Dies sollte vorweg ausgesprochen werden, um die muslimischen Jugendlichen im Klassenzimmer ausdrücklich davon auszunehmen.

Leider erfahren viele junge Muslime schon früh, dass Viele in Deutschland nicht nur die Extremisten im Islam als Problem sehen, sondern die Muslime oder den Islam generell. Und dies belastet die Identifikation muslimischer Jugendlicher mit Deutschland. Viel zu selten bekommen sie die Zuversicht zugesprochen, dass es sehr wohl eine legitime islamische Identität auch innerhalb der deutschen Gesellschaft geben kann, und dass sie Kulturen kombinieren und ihre eigenen Synthesen schaffen dürfen. Aber genau diese Zuversicht sollte ihnen die Schule geben.

Doch was könnte man dazu in einer Situation wie nach Paris oder kürzlich nach Berlin konkret anders machen? Vor dem gemeinsamen Gedenken der Opfer von Paris hätte man etwa erwähnen können, dass dieselbe Terrorsekte, die in Paris gemordet hat, noch am Vortrag in Beirut und einen Monat davor in Ankara ähnlich brutale Anschläge verübte, und zwar beide Mal auf Muslime. Damit wird verdeutlicht, dass sich die Solidarität der Idee nach ebenso auf muslimische Kontexte bezieht, auch wenn offiziell leider nur an Paris gedacht war. Die Lehrkraft kann so auch verhindern, dass sich Muslime in der Klasse indirekt mit beschuldigt fühlen. Die Botschaft lautet dann: „Heute müssen wir alle, Deutsche, Araber, Türken, Christen, Muslime, Säkulare uns zusammenschließen gegen den Terror der Irrsinnigen gegen uns alle, gleichgültig ob die Terroristen heute IS, NSU oder sonst wie heißen!“

Nicht Tabuisieren, sondern Kontextualisieren lautet also die Devise. Nicht Verschweigen, sondern pädagogisch inkludierend Kommunizieren. Auch der ausdrückliche Hinweis durch die Lehrkraft, dass muslimische Stimmen aller Couleur sich in aller Deutlichkeit gegen den Terror im Namen des Islam ausgesprochen haben und aussprechen, kann in der aktuellen Stimmung für alle nur heilsam sein.

(Mein Beitrag vom 13. Januar 2017 für “Islam in Deutschland” auf SWRinfo)