Rezension zu: Jenseits von Einsteins Universum (R. Vaas)

Dies ist meine Rezension zu “Jenseits von Einsteins Universum” (Kosmos 2016, 526 Seiten) von Rüdiger Vaas, die in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Universitas (2018) erschienen ist:

„Der Naturwissenschaftler findet seinen Lohn in dem, was Henri Poincaré die Freude des Begreifens nennt und nicht in den Möglichkeiten der Anwendung, zu denen Entdeckungen führen können“ – so zitiert der Kosmologieexperte, Philosoph und Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas im vorliegenden Werk die Haltung des Physikers Albert Einstein zum Sinn der Naturwissenschaft und vergleicht ihn dabei mit den analog dazu denkenden Vorsokratikern. Man kann das Buch von Vaas zu großen Teilen als geradezu opulente Ausführung dieses Vergleichs lesen: Einstein als Wahrheit um ihrer selbst suchender Physiker und Philosoph, sein ganzes Leben hindurch. Das Buch basiert auf einer vielschichtigen und gründlichen Recherche und ist eingeteilt in fünf große Kapitel mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten, die zugleich zeigen, wie fruchtbar Einsteins Werk war und heute noch ist. Und vor allem: dass Einstein auch heute noch Inspiration sein kann, sowohl als Naturwissenschaftler, als auch als Philosoph und bescheidener Mensch.

Zu Beginn sei noch auch auf eine mögliche Erschwernis bei der Lektüre des Buches hingewiesen: Ein Stichwortregister vermisst man leider ebenso wie ein ausführlicheres Inhaltsverzeichnis, sodass man sich selbst zum nachträglichen Zurechtfinden im Buch eine Abhilfe hierzu schaffen sollte. Für die sehr dicht zusammengeführten und anspruchsvollen Themen des Buches lohnt sich dies in jedem Fall. 

Im ersten biografisch angehauchten Kapitel begegnet man einem sympathischen Einstein, der sich bereits in sehr jungen Jahren von einem ihm geschenkten Kompass und einem Buch über euklidische Geometrie für Wissenschaft begeistern lässt. Vaas lässt dabei zu vielen Stellen aus Einsteins Leben und geistigem Wirken nicht nur Einstein selbst zu Wort kommen, sondern auch seine zahlreichen prominenten Fachkollegen, mit denen er einen regen Austausch pflegte sowie Wissenschaftshistoriker. Die zahlreichen sorgsam ausgewählten Zitate vor allem Einsteins transportieren authentische Eindrücke und Gedankengänge und sind nicht nur anekdotenhaft zu verstehen. Damit gehören sie zu den Besonderheiten dieses Buches, die es von einem primär von Naturwissenschaft handelnden Buch unterscheiden.

Man erfährt, wie Einstein als junger Mann vor seinem Studium ein ganzes Jahr „herumbummelte“, nebenbei Kant las und zum bloßen Zeitvertreib Vorlesungen besuchte. Im Studium trifft man auf einen Einstein, der einmal im physikalischen Praktikum die schlechteste Note „wegen Unfleiß“ erhielt und sich auch nach dem Studium noch ernsthaft Gedanken um einen gesicherten Job machen musste. Nebenbei ging seine private Beschäftigung mit physikalischen Fragestellungen jedoch weiter, bis er als 26-jähriger „Technischer Experte III. Klasse“ am Patentamt in Bern seine ersten drei großen Durchbrüche erzielte, die die Physik verändert haben. Wie ist das möglich? Auf genau solche Fragen findet man hier unerwartete Antworten: Einstein erledigte seine Büroarbeit als „Tintenscheißer“ (so Einstein) in der Hälfte der vorhandenen Zeit – in der anderen Hälfte widmete er sich der theoretischen Physik, wobei er „seine Papiere rasch in die Schublade seines Schreibtisches verschwinden ließ, wenn jemand vorbeikam“ (J. Stachel). Es ist schwer diesen Menschen nicht sympathisch zu finden.

Und doch liegt der eigentliche Fokus des Buchs nicht auf dem Leben, sondern auf dem Werk Einsteins. Schon im ersten Kapitel werden die wissenschaftlichen Arbeiten und Thesen Einsteins vertieft behandelt. Es gelingt Vaas auch an schwierigen Stellen anschaulich zu bleiben und viele physikalische Grundideen Einsteins anhand leicht zugänglicher Veranschaulichungen und Zahlenbeispiele darzustellen. Allzu technische Details vor allem von Einsteins Relativitätstheorie sind in separate Exkurse ausgelagert. Dennoch sind bestimmte Teile des Buches ohne ein grundlegendes Interesse an moderner Physik nur schwer verständlich. Wenn es an manchen Stellen konzeptionell anspruchsvoll wird, werden Grundkenntnisse in theoretischer Physik und Mathematik gute Dienste leisten, was es wiederum für philosophisch interessierte Naturwissenschaftler reizvoll machen kann. Da das Buch aber nicht als Physikbuch, oder als systematische Behandlung von Einsteins Theorie konzipiert ist, geht es oft schon wenige Seiten später wieder mit leichter verdaulichen Ausführungen weiter.

Sehr aufschlussreich und für den praktizierenden Forscher inspirierend ist die detaillierte Darstellung von Einsteins Weg von der speziellen zur allgemeinen Relativitätstheorie – also wie er nach der Ausharmonierung der klassischen Mechanik und Elektrodynamik in seiner speziellen Relativitätstheorie über viele Jahre nach einer Theorie suchte, die auch beschleunigte Bewegungen und die Gravitation beschrieb und die kompatibel zur speziellen Relativitätstheorie war. Die ersten Gedanken zu einer allgemeinen Relativitätstheorie, hatte Einstein wieder im Patentamt in Bern. Erstaunlich ist der Weg danach: Einstein entwickelte Ideen und revidierte diese geradezu jährlich, also praktisch zwölfmal bis zur Vollendung der Theorie. Als er an die Grenzen seiner mathematischen Kenntnisse gestoßen war und erkannt hatte, dass für die weitere Arbeit eine „mächtige, aber den Physikern damals noch ganz unbekannte Mathematik“ vonnöten war, schrieb er einem befreundeten Mathematiker: „Grossmann, hilf mir, sonst werde ich verrückt“. So stellt man sich kein isoliertes und arrogantes Genie vor, oder eines, dem Einsichten wie Wunder in den Schoß fallen. Es ist ein Verdienst dieses Buches zahlreiche solcher Korrespondenzen samt ihren menschlichen und fachlichen Hintergründen gebündelt vorzustellen, auch der weniger harmonischen, etwa als Wolfgang Pauli über Einsteins späteren häufigen Revisionen spottete, gar manchen Ansatz auf dem Weg zu einer einheitlichen Feldtheorie als „typische Bieridee der großen Herren Einstein und Schrödinger“ bezeichnete. Ergreifend sind wiederum manche Fazits Einsteins, etwa als seine Theorie erstmals einen seit Jahrhunderten unverstandenen Teil der Periheldrehung des Merkurs sehr genau erklären konnte, worauf er festhielt: „Es ist der wertvollste Fund, den ich in meinem Leben gemacht habe.“

Für den an konkreter Theoriegenese interessierten Leser sind die tiefen Einblicke in die ganz und gar nicht geradlinige Entwicklung von Einsteins Ideen jedenfalls von großem Wert, da sie genau auf jene Prozesse des Wissenschaftsbetriebs verweisen, die in den Lehrbuchdarstellungen von Naturwissenschaft oft untergehen. Insofern kann das Buch auch als Einführung in wissenschaftliches Problemlösen am Beispiel Einsteins verstanden werden.

Einsteins Werk war und ist auch lange nach seinem Tod von großem Einfluss. Eine ganze Palette solcher Diskussionen aus dem Grenzgebiet von Physik und Philosophie findet man in Kapitel drei des Buches. Hier geht es um weiterführende Fragen zum Wesen von Raum und Zeit und man findet hier einen Einblick in naturphilosophische Kontroversen, die im Wesentlichen Fußnoten zu Einstein darstellen. Manche dieser Diskussionen, etwa über den Status von Zeit, Zukunft und Vergangenheit, können auch für den eigenen Weltzugang von Bedeutung sein. Man erfährt von der eternalistischen Lesart der vierdimensionalen Raumzeit als Blockuniversum, in dem sich alle Zeitpunkte vom Standpunkt der vierdimensionalen Welt als geradezu „gleichzeitig“ darstellen und erst in der Projektion in unser „die Zeit entlang kriechendes“ Bewusstsein als sich zeitlich wandelnde dreidimensionale Welt erscheinen. Solchen durchaus ernst zu nehmenden philosophischen Positionen, denen auch Einstein nahestand, werden von Vaas stets auch die entsprechenden Gegenpositionen vorgestellt, etwa ein Präsentismus, der nur die Gegenwart als real anerkennt. Vaas liefert hier also auch wissenschaftlich fundierte Grundlagen als Stoff zum Weiterdenken und Philosophieren.

Kapitel vier ist einem der größten aktuellen Triumphe der allgemeinen Relativitätstheorie gewidmet, nämlich dem Nachweis von Gravitationswellen im Jahre 2015, deren Existenz von Einsteins Feldgleichungen vorhergesagt wurden. Dieses Kapitel ist in erweiterter und aktualisierter Form als eigenes Buch erschienen (Rüdiger Vaas: „Signale der Schwerkraft“, Kosmos 2017) und wird an anderer Stelle besprochen. Die noch nicht nachgewiesenen, aber laut Vaas mittlerweile prinzipiell erforschbar gewordenen Nachfolgertheorien zu Einstein, allen voran Versuche einer Quantengravitationstheorie, sowie andere Alternativen und Erweiterungen zu Einsteins Gravitationstheorie werden in der zweiten Hälfte von Kapitel 5 vorgestellt, wenn auch auf relativ kurzem Raum im Vergleich zum Umfang des Buches.

Am Anfang des fünften Kapitels geht es nochmals ans philosophisch Eingemachte. Zum einen lernt man den Wissenschaftstheoretiker Einstein näher kennen und stellt fest, dass zahlreiche Positionen in Karl Poppers kritischem Rationalismus wie etwa die der steten Vorläufigkeit von Theorien bereits vor Popper auch schon von Einstein in sehr ähnlicher Form vertreten wurden. Ferner zeichnet Vaas die bis an Einsteins Lebensende reichende vergebliche Suche nach einer vereinheitlichen Feldtheorie (manchmal auch „Weltformel“ genannt) nach. Einsteins Ziel war es eine Theorie zu finden, die die Elektrodynamik und die allgemeine Relativitätstheorie als zwei Seiten eines einzigen vereinheitlichten Formalismus beschreibt. Jahrzehnte vergingen mit etlichen Entwürfen und Revisionen – und mit einem philosophischen Wandel, den Vaas als einen von mehreren möglichen Faktoren für das Scheitern von Einsteins Versuch diskutiert: Einstein war auf seinem Forschungsweg von einem Positivismus, über eine Doppelstrategie empirisch-physikalischer und rein mathematischer Suche schließlich zu einem Punkt gekommen, an dem die „innere Vollkommenheit“, also die Eleganz der mathematischen Struktur einer Theorie zum immer zentraler werdenden Kriterium wurde. Auch wenn Einstein, wie Vaas begründet, nie ganz mathematischer Platoniker wurde, so vertrat Einstein nun deutlicher denn je die Möglichkeit eines „Erfassens des Wirklichen“ durch „reines Denken“ etwa in  Form algebraischer Symmetrien von Grundgleichungen. Vaas dokumentiert diesen Wandel anhand einer Fülle von geradezu drastisch anmutenden Aussagen Einsteins. Für einen Moment wirkt es fast so, als ob Vaas im Blockuniversum (oder in einer quantenmechanischen Überlagerung der Blockuniversen?) vermittelnd den jungen Einstein auf mögliche Denkfehler des alten Einstein aufmerksam machen und ihn dazu bewegen möchte seinen Erfolgskurs aus seinen jungen Jahren beizubehalten, sich nicht vom mit dem Alter lockenden Einschluss in ein Weltbild von apodiktischen Gewissheiten (die er einst kritisierte) verführen zu lassen.

Man mag diese Skepsis gegenüber Einsteins Zuwendung zur Mathematik als letztlichem Wahrheitskriterium teilen, oder auch nicht – aus der Seele spricht Vaas allen von Einstein Inspirierten mit Sicherheit, wenn er von ihm sagt, dass Einstein in Anbetracht der Entwicklung der gegenwärtigen Welt ein guter Grund dafür ist „nicht ganz am menschlichen Denken und Handeln [zu] verzweifeln“. Dieses Buch vermittelt das nötige Hintergrundwissen für dieses Urteil.

Eine Streitfrage in der islamischen Theologie: Wie viele Atome konstituieren einen Körper?

Worüber debattierten islamische Theologen in Basra und in Bagdad im 9. Jahrhundert auf ihrer Suche nach einem Verständnis für Allahs Schöpfung?

Beispielsweise über folgende Frage:

“Wie viele Atome müssen miteinander verbunden sein, damit sie einen ersten wahrnehmbaren Körper bilden?”

Die Frage war nicht zuletzt deswegen interessant, weil die meisten islamischen Theologen im 9. Jahrhundert nicht nur von einer atomistischen Struktur der physikalischen Geschöpfe ausgingen, sondern auch davon, dass diese Atome keine Ausdehnung besitzen, also wie mathematische Punkte gedacht werden müssen (im Unterschied zu den Atomen der altgriechischen Atomisten und nicht ganz unähnlich zum Konzept der Elementarteilchen in der heutigen Quantenfeldtheorie). Ein einzelnes Atom galt für sich als zunächst nicht wahrnehmbar. Ein Problem stellte sich nun bei der Frage, wie ausdehnungslose Atome sich gegenseitig berühren können und wie die aus ihnen gebildeten Körper überhaupt so etwas wie ein Volumen einnehmen können.

Folgende Antworten wurden diskutiert (vgl. Josef van Ess, Gesellschaft und Theologie im 2./3. Jahrhundert Hidschra, S. 459 f.):

a) mindestens 8 Atome müssen zusammenkommen – dann können sie wie die Ecken eines Würfels einen Körper mit minimalem Volumen bilden (Meinung des Theologen Mu’ammar), aus denen dann größere Körper konstruiert werden können.

b) mindestens 6 Atome müssen zusammenkommen – wenn man sich ein Raumgitter vorstellt und sich in einem Schnittpunkt dieses Gitters das Zentrum des zu bildenden Minimalkörpers denkt, dann entsprechen die um dieses Zentrums verteilten 6 Atome den Richtungen oben – unten- vorne – hinten – links – rechts (Meinung des Theologen Abu al-Hudhayl)

c) mindestens 36 Atome müssen zusammenkommen – diese sind in sechs mal sechs “Pakete” verteilt. Die einzelnen 6er-Pakete entsprechen der Struktur aus b). Damit daraus eine nach außen koordinierten Gestalt wird, müssen jedoch sechs von diesen Sechserpaketen verteilt werden auf die sechs Raumrichtungen. Die sechs Atome aus b) werden also ersetzt durch sechs Sechserpakete. Damit bildet also ein solches “Molekül” den Grundbaustein der physikalischen Welt. (Meinung des Theologen Hisham al-Fuwati)

d) Im Grunde genügt schon zwei Atome, da ein Körper per Definition eine Zusammensetzung aus Atomen darstellt. Wahrnehmbarkeit ist hier nicht das primäre Kriterium (Meinung des Theologen al-Iskafi – diese Meinung setzte sich später bei den Ash’ariten durch)

e) Im Prinzip reicht ein einziges Atom – denn bereits in einem Atom ist das Potenzial Bindungen mit anderen Atomen bereits angelegt. (Meinung des Theologen Abu-l-Husayn al-Salihi)

Dies war der Hintergrund der “Natur-Theologie” der mu’tazilitischen Islamgelehrten, vor dem die Ash’ariten ihren Atomismus weiterentwickelten.

Klagen eines Vermieters

“Sie laufen ständig Gefahr, das Haus abzubrennen, denn sie kochen auf dem Dach,

mindern den Wert des Anwesens, indem sie die Abflüsse verstopfen,
reißen Türen heraus,

zerstören Schlösser und Scharniere

und stampfen ihre Wäsche auf dem Fußboden statt auf dem Stein, der für diesen Zwecke bereitsteht.

Ihre Kinder graben Löcher im Garten, schlagen Stöcke in die Wände und zerbrechen die hölzernen Regale.

Und wenn sie ausziehen, stehlen sie alles, was sie tragen können, einschließlich der Leitern und der Wasserkrüge.”

(Klagen eines Vermieters aus dem 9. Jahrhundert in Bagdad – gefunden bei Jim al-Khalili: Im Haus der Weisheit, Frankfurt a. M. 2011, S. 44)

Evolution und Hominisation – ein Crashkurs zum empirischen Forschungsstand

(Hier geht es zu einem kleinen Vorwort).

Crashkurs Teil 1: Wesentlicher Gehalt der Evolutionstheorie

Der studierte Theologe und Naturforscher Charles Darwin (gest. 1882) ist der Begründer der modernen Evolutionstheorie, die hier kurz skizziert werden soll [1]. Sie ist wie jede andere naturwissenschaftliche Theorie ein auf Empirie gestützter Versuch einen bestimmten Wirklichkeitsausschnitt – hier: alles Leben auf Erden – auf systematische Weise in einen großen vereinheitlichenden Zusammenhang zu stellen. Die Empirie zur Vergangenheit des Lebens stützt sich unter anderem auf die Analyse von Fossilfunden und auf molekulargenetische Vergleiche aktuell lebender Organismen. Die Evolutionstheorie ist eine empirisch sehr erfolgreiche Theorie mit großer Erklärungskraft hinsichtlich der Vielfalt des Lebens. Sie beantwortet viele Fragen auf elegante Weise. Und sie lässt viele Fragen offen – teils, weil historische Wissenschaft immer große spekulative Anteile hat, und teils, weil ihr Gegenstandsbereich auf die empirische Welt der Lebewesen beschränkt ist. 

Eine ihrer zentralen Säulen ist die Deszendenztheorie, die besagt, dass alle heutigen Lebensformen Nachfahren von gemeinsamen Urahnen sind, die umso einfacher werden, je weiter man in der Zeit zurückgeht. Heute geht man davon aus, dass es sich bei diesen Urahnen um primitive Einzeller handelt, die als Prokaryoten bezeichnet werden und die vor ca. 3,8 Millarden Jahren in den heißen Urmeeren der Erde als Produkt einer vorausgegangenen chemischen Evolution entstanden sind. Der unterozeanische Grund im Umfeld von Tiefseevulkanen und andere lichtnahe Unterwasseroberflächen werden heute als wichtige Kandidaten für die damaligen Umbildungsorte von anorganischen in die relevanten organischen Moleküle diskutiert [2]. Diese in Wasser getauchten Flächen sind ihrerseits Ergebnisse der Abkühlung der einst glühenden Erde mit folgendem Abregnen immenser Wassermassen.  

Weitere markante Säulen der heutigen Evolutionstheorie bilden die Theorie der Variation durch Mutation und die Theorie der natürlichen Selektion. Demnach verfügen manche der Nachkommen eines Lebewesens über ein geringfügig mutiertes Erbgut, dessen Entfaltung manchmal von dramatischem Vorteil für das Überleben und die Populationsrate der mutierten Nachkommen sein kann. Wenn so neue Varianten oder gar Arten enstehen, die den sich wandelnden Umweltbedingungen besser angepasst sind, und andere aussterben oder verdrängt werden, dann spricht man von natürlicher Selektion. Von 1930 bis 1950 wurden Wissenschaften wie Genetik und Paläontologie in die Evolutionstheorie integriert und führten zur synthetischen Evolutionstheorie [3]. Ein wichtiges Merkmal der synthetischen Evolutionstheorie ist die Annahme, dass die Mutation des Erbguts ungerichtet bzw “zufällig” verläuft. Georg Toepfer konrektisiert in seiner philosophischen Analyse dazu: “Die Zufälligkeit besteht… darin, dass die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Variation unabhängig von ihrer Zweckmäßigkeit ist; nicht gemeint ist damit, dass die Variation gar keine Ursache habe.“ [4]

Momentan befindet sich die Evolutionstheorie selbst in einer Phase der „Evolution“ zu einer „erweiterten synthetischen Evolutionstheorie“, da in den letzten Jahrzehnten potenzielle Evolutionsmechanismen entdeckt wurden, die über das einfache Schema der rein zufälligen (bzw. ungerichteten) Mutation und Selektion hinausgehen. Die Evolutionsforscherinnen Eva Jablonka und Marion Lamb schreiben dazu: „Die Annahme, dass sämtliche erbliche Variabilität aus zufälligen genetischen Abänderungen resultiere, unbeeinflusst von den umwelt- und entwicklungsspezifischen Bedingungen, ist heute nicht mehr haltbar.“ [5] So werden heute neben den die DNA betreffenden Replikationsprozessen weitere zellinterne epigenetische Vererbungssysteme erforscht, die mittels komplizierter chemischer Prozesse auch Aspekte des „Verhaltens“ der biologischen „Eltern“ partiell weitervererben, beispielsweise indem sie veränderte zellspezifische Aktivitätsmuster des ansonsten identischen Genoms weitergeben. Diskutiert wird aktuell, inwieweit solche gerichteten Variationen des „Epigenoms“ (als Begleiter des „Genoms“) über mehrere Generationen stabil vererbt werden und somit langfristig evolutionsrelevant werden können [6].

Das ist bedeutsam, denn: „Epigenetische Variationen entstehen mit höherer Rate als genetische.[7] Letztlich folgt daraus, „… dass Anpassung durch Selektion epigenetischer Varianten erheblich schneller erfolgen kann als auf genetischem Weg.[8] Wenn sich dieser Ansatz bewährt, dann könnte er auch ein neues Licht auf Phänomene wie rasch auftretende Evolutionssprünge und die evolutionäre Entstehung neuer Arten werfen, die seit jeher zu den schwierigsten Fragen der Evolutionstheorie gehören [9]. Zugleich betonen Vertreter dieser erweiterten Evolutionsansätze, dass die neuen Perspektiven „nichts an [der]… naturalistischen Basis[10]. der Evolutionstheorie, also an ihrer naturgesetzesartigen Struktur ändern. In welchem Sinn die Evolutionstheorie dabei nicht nur methodologisch, sondern auch in ontologischer Hinsicht als „naturalistisch“ verstanden werden muss, ist ein primär metaphysische Frage, die letztlich auch die Fundamente islamischer Theologie berührt und daher erhöhte Aufmerksamkeit verdient.

Crashkurs Teil 2: Geschichte des Menschen und Hominisation

Die Theorie von der Evolution des Menschen von affenähnlichen Vorfahren zum anatomisch modernen Menschen wird als Hominisation bezeichnet. Ihr liegt eine Empirie zugrunde, die heutzutage jedes Modell von der Entstehung des Menschen – ob naturwissenschaftlicher oder theologischer Art – berücksichtigen bzw. integrieren muss. Dies sind fünf relevante Eckpfeiler:

  • Aktuelle Parallelen zwischen Mensch und Affe: Der Schimpanse ist das Lebewesen mit der größten genetischen Ähnlichkeit zum modernen Menschen: Über 98% der Gene beider Spezies sind auf molekularer Ebene identisch. Und anatomisch gibt es nur graduelle Unterschiede [11].

  • Fossilfunde führen nach Afrika: Es gibt weltweit zahlreiche Funde menschlicher und menschenähnlicher Fossilien aus prähistorischer Zeit, deren älteste bekannte aus Afrika stammen. Diese lassen sich teilweise bis zu einigen Millionen Jahren zurückdatieren. Damit gibt es eine zwar unvollständige, aber dennoch relevante Empirie der Vergangenheit des Menschen [12].

  • Zahlreiche ausgestorbene Menschenarten: Es zeigt sich, dass es neben und vor dem seit ca. 200.000 Jahren existierenden anatomisch modernen Menschen (auch “moderner Homo Sapiens” genant) zahlreiche andere Menschenarten gegeben hat, die nicht mehr existieren.

  • Je älter das Menschenfossil, umso kleiner das Gehirn und umso “archaischer” die Anatomie: Zahlreiche anatomische Merkmale des heutigen Menschen verschieben sich bei den afrikanischen Fossilien in die weite Vergangenheit hin im Wesentlichen zu immer “archaischeren” Zügen. Dazu gehört der zunehmend vorstehende Oberkiefer und insbesondere die graduell immer kleiner werdende Gehirngröße. Auch die Werkzeugnutzung, die im Zusammenhang zur Hirngröße steht und auf Kultur hinweist, wird nicht schlagartig, sondern zunehmend primitiver [13].

  • Bis vor ca. zwei Millionen Jahren gab es affenartige Wesen, die aufrecht gehen konnten: Wo die menschenartige Fossilspur in Afrika vor zwei Millionen Jahren zu verwischen beginnt, nehmen die Fossilien der Varianten des Australopithecus zu. Diese ausgestorbenen Wesen sowie ihre Vorgänger besaßen einen affenartigen Kopf, konnten jedoch aufrecht gehen, worin sie eher den Menschen als beispielsweise den heutigen Schimpansen ähneln, auch wenn sie diesen Gang womöglich auf Bäumen praktizierten. Selbst der bis zu sieben Millionen Jahre in die Vergangenheit datierte Schädel des Sahelanthropus Tchadensis lässt trotz einiger schimpansenähnlicher Züge auch Schädelmerkmale des aufrechten Gangs vermuten [14].

Die Paläoanthropologie, die interdisziplinär die Entstehung des Menschen erforscht, verbindet diese empirischen Befunde im Lichte der Evolutionstheorie etwa wie folgt: Ungefähr zu der Zeit des Sahelanthropus spaltete sich die Linie der heutigen Schimpansen von der zum Menschen führenden Linie – der Linie der “Homininen” – ab. Bei den affenähnlichen Vorfahren des Menschen, die keinen der heutigen Affen entsprechen, entwickelte sich der aufrechte Gang weiter, bis aus den allmählich aussterbenden Australopithecinen die Gattung “Homo” (Mensch) hervorging, dessen Hirnvolumen größer, dessen Schädelanatomie menschenählicher und dessen Gesichtsprofil aufrechter wurde. Vor ca. 2 Millionen Jahren trat nach einigen Zwischenformen der nach einhelliger Meinung als Mensch identifizierbare Homo Erectus zum Vorschein, für den ein deutlich größeres Hirnvolumen, eine ausgeprägtere Werkzeugnutzung, sowie ein markanter Augenbrauenwulst typisch ist. Populationen des Homo Erectus wanderten aus Afrika nach Asien und Europa aus. Zahlreiche Menschenarten aus der letzten Million Jahre wie der Neandertaler, archaische Formen des Homo Sapiens sowie neu entdeckte Menschenarten wie der Denisova-Mensch stammen von diesem ab, lebten teilweise zeitgleich und begegneten sich offensichtlich auch: Menschen aus bestimmten nicht afrikanischen Regionen der Welt besitzen heute bis zu 4% Neandertaler-Gene. In Südasien kam es vermutlich auch zu einer genetischen Durchmischung des Denisova-Menschen und des Homo Sapiens [15].

Die im Wesentlichen seit ca. 200.000 Jahren stabilen modernen Merkmale des Homo Sapiens, einschließlich des für das “Menschsein” relevanten und den Homo Erectus übertreffenden Hirnvolumens, hatten sich im Laufe einer halben Million Jahre unabhängig voneinander und regional verschieden schnell (“mosaikartig”) im Anschluss an den Vorfahren Homo Erectus von einer archaischen bis zu ihrer modernen Form entwickelt [16]. Das hier skizzierte Gesamtbild hat sich bisher als gut bewährter “harter Kern” der Hominisation erwiesen. Es bleiben freilich etliche Vieldeutigkeiten und Unklarheiten, etwa, was die genau Grenzziehung zwischen Menschenarten oder hinsichtlich der Zuordnung einzelner Fossilien zu Homo oder Australopithecus betrifft [17]. Anders gefragt: Wann möchte man die “eigentliche” Menschheit beginnen lassen? Ebenso spekulativ sind Überlegungen zur genauen sprachlichen, kognitiven und damit auch religiösen “Begabung” der Vorfahren des Menschen, je weiter man in die Vergangenheit blickt. Wenn das restliche Gesamtbild jedoch stimmt, dann sind die mannigfaltigen Rückenbeschwerden des modernen Menschen ein Zeuge der noch unabgeschlossenen “Werdung” des aufrechten Gangs. Und auch die häufigen Klagen über zu wenig Platz für die Weisheitszähne wären dann ein Hinweis darauf, dass unser modernes Gebiss die Erinnerung an eine lange ins Tierreich reichende Vorgeschichte in sich trägt. 


[1] Michael Blume weist auf einen Briefwechsel Darwins mit dem Philosophen William Graham hin, der zeigt, dass Darwin “… einen evolutionären Theismus für denkmöglich” hielt. Blume, Gottesfrage, S. 147.

[2] Vgl. Kutschera, Evolutionsbiologie, S. 163-176. Und vgl.Campbell, Biologie, S. 613-619.

[3] Vgl. Kutschera, Evolutionsbiologie, S. 75-87.

[4] Toepfer, Evolution, S. 77-78.

[5] Lamb und Jablonka, Vier Dimensionen, S. 472.

[6] Vgl. ebd., S. 129-163. Für eine kritischere Einschätzung vgl. Kutschera, Evolutionsbiologie, S. 75.

[7] Ebd., S. 161.

[8] Ebd.

[9] Der christliche Theologe Ulrich Lüke sieht in der beschleunigten epigenetischen Vererbung ein wichtiges Argument gegen populäre Widerlegungsversuche der Evolutionstheorie. Vgl. Lüke, Säugetier, S. 111.

[10] Thomas Junker im Vorwort von: Lamb und Jablonka, Vier Dimensionen, S. 10.

[11] Vgl. Junker, Evolution, S. 11-14. Man verwechsle Thomas Junker nicht mit dem Kreationisten Reinhard Junker.

[12] Mit diesen Funden hat sich überdies Darwins Vermutung, dass der moderne Mensch aus Afrika stammt, weil dort heute noch unsere nächsten Verwandten in Form von Gorilla und Schimpanse leben würden, nach über hundert Jahren empirisch bestätigt. Vgl. Kutschera, Evolutionsbiologie, S. 152-154 und S. 226-230.

[13] Zur Evolution des Gehirns vgl. Holloway, “Hominid Brain”, S. 1980-1983. 

[14] Zur Diskussionslage über die Interpretation der Fossilien der einzelnen Hominidenarten vgl. Harcourt-Smith, “Bipedal Locomotion”, S. 1927-1944. Grafischer Überblick vgl. ebd., S. 1944.

[15] Vgl. Bolus, “Early Humans”, S. 2371-2400.

[16] Vgl. Bräuer, “Modern Humans”, S. 2304-2307.

[17] Zur Vieldeutigkeit Vgl. Strait, “Hominin Phylogeny”, S. 2005-2009.

Zitierte Literatur

  • Blume, Michael. Evolution und Gottesfrage. Charles Darwin als Theologe. Freiburg im Breisgau: Herder, 2013.

  • Bolus, Michael. “Dispersals of Early Humans: Adaptations, Frontiers, and New Territories”. In: Winfried Henke und Ian Tattersall (Hg.). Handbook of Paleoanthropology. Berlin und Heidelberg: Springer, 2015, Bd. 3, S. 2371-2400.

  • Bräuer, Günter. “Origin of Modern Humans”. In: Winfried Henke und Ian Tattersall (Hg.). Handbook of Paleoanthropology. Berlin und Heidelberg: Springer, 2015, Bd. 3, S. 2299-2330.

  • Campbell, Neil A und Markl, Jürgen (Hg.) und Reece, Jane B. Biologie. Heidelberg und Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, 2003.

  • Harcourt-Smith, William E. H. “Origin of Bipedal Locomotion”. In: Winfrief Henke und Ian Tattersall (Hg.). Handbook of Paleoanthropology. Berlin und Heidelberg: Springer, 2015, Bd. 3, S. 1919-1959.

  • Holloway, Ralph. “The Evolution of the Hominid Brain”. In: Winfried Henke und Ian Tattersall (Hg.). Handbook of Paleoanthropology. Berlin und Heidelberg: Springer, 2015, Bd. 3, S. 1961-1987. 

  • Junker, Thomas. Die Evolution des Menschen. München: Beck, 2018.

  • Kutschera, Ulrich. Evolutionsbiologie. Stuttgart: Eugen Ulmer, 2015.

  • Lamb, Marion J. und Jablonka, Eva. Evolution in vier Dimensionen. Stuttgart: Hirzel, 2017.

  • Lüke, Ulrich. Das Säugetier von Gottes Gnaden. Freiburg in Breisgau: Herder, 2016.

  • Streit, David et al. “Analyzing Hominin Phylogeny: Caldistic Approach”. In: Winfried Henke und Ian Tattersall (Hg.). Handbook of Paleoanthropology. Berlin und Heidelberg: Springer, 2015, Bd. 3, S. 1989-2014.

  • Toepfer, Georg. Evolution. Stuttgart: Reclam, 2013.

Vorwort zu meinem “Crashkurs Evolution”

Ich habe mich in diesem Jahr viel mit der Evolutionstheorie und allem Möglichen drumherum, und dabei insbesondere mit islamischen Verhältnisbestimmungen dazu, befasst und möchte ab jetzt immer wieder mal gebündelt meiner Erträge hierzu hier veröffentlichen. Natürlich geht es mir persönlich als gläubigem Muslim vor allem um Fragen nach Vereinbarkeitsbedingungen mit meinem Glauben – aber wer mich kennt, weiß, dass es mir bei solchen Studien mindestens so sehr auch um die naturwissenschaftliche Theorie selbst und ein möglichst differenziertes, präzises, interessiertes und liebevolles (ohne Witz) Hineinhorchen in die Welt der Forschung geht. Die eigentliche Vermittlungsarbeit findet gemäß meiner Baustellenplanung in der “Mitte” statt, also im Bereich von rationaler Theologie und Wissenschaftstheorie (also Philosophie). Aber diese Mitte kann nur “arbeiten”, wenn die beiden Ränder hinreichend entwickelt sind, also: (1) fundierte Aufarbeitung islamisch-theologischer Perspektiven von den Primärquellen über exegetische bis hin zu hermeneutischen Fragestellungen und (2) fundierte Aufarbeitung der Evolutionstheorie, wie sie “wirklich” von Experten betrieben und diskutiert wird, und was davon letztlich empirisch bestätigt ist.

Und ich schwör’ euch, Alter, es gibt wenig auf der Welt, was mir auf der Welt mehr Nervenkitzel und geistige Befriedigung verschafft als ein solches nach Kohärenzmöglichkeiten fragendes Abarbeiten an (1) islamischer Theologie, (2) Naturwissenschaft und (3) die vermittelnde Vernunft dazwischen.

Sowas macht nicht reicher, nicht schöner.

Aber bescheidener und vielleicht weiser.

Ich werde das ganze Großprojekt vielleicht mal als Dossier ablegen. Bis dahin poste ich in unregelmäßigen Abständen immer wieder kleinere Bausteine meiner Studien. Zum Einstieg gibt es heute etwas zum Punkt (2), nämlich zum naturwissenschaftlichen Kenntnisstand, auf dem Niveau eines bisschen anspruchsvolleren, aber extrem kompakten Crashkurses mit Literaturhinweisen. Bereits schon diese kleine Übersicht zeigt, dass die Evolutionstheorie heute viel komplexer ist als das landläufig verbreitete Bild einer einheitlichen und auf puren Zufallsmutationen beruhenden Theorie.

Und natürlich ist Evolution nur eines der Themen, zu denen ich hier Fragmente meiner Studien posten möchte.

Ach ja, und noch was: Wie man vielleicht herauslesen kann, bin ich ein Anhänger der Vereinbarkeitsposition: Die Evolutionstheorie lässt sich nicht nur als materialistische Theorie verstehen, wie oft behauptet wird, sondern ist auch mit anderen Metaphysiken vereinbar (und ja: Der Materialismus ist natürlich auch eine Metaphysik, also eine Lehre vom So-Sein des empirisch nicht mehr zugänglichen Letztgültigen bzw. Ersten).

Insbesondere kann Evolution nach meinem eigenen Erkenntnisstand auch als Beschreibung eines evolutionären Schöpfungswirkens Allahs interpretiert werden.

Natürlich wirft dies etlich viele Fragen auf. Hier kurz ein paar Positionen dazu:

  1. Ich gehöre nicht zu den einen Nervensägen, die Menschen, die die Evolutionstheorie ablehnen, als “Gefahr” sehen, oder sie beleidigen. Mir ist klar, dass eine Akzeptanz einer so folgenreichen Theorie nicht einfach nur vom naturwissenschaftlichen Forschungsstand abhängt, sondern auch von der subjektiven Synthesekraft einer Person diese Theorie mit der sonstigen eigenen – womöglich traditionell-religiösen – Weltsicht auf Kohärenz zu bringen. Die subjektive Synthesekraft wiederum ist eine Frage der individuellen Spezialbildung zu theologischen, exegetischen, metaphysischen, wissenschaftstheoretischen und naturwissenschaftlich-empirischen Fragestellungen. Das kann je nach Vorprägung sehr viel Zeit benötigen, oder auch ganz ausbleiben. Hier kann nichts erboxt werden. Aber: Die Türen der Wissenschaft sollten stets für eine kritischen Auseinandersetzung mit der Evolutionstheorie offen stehen. Einem dezidierten Evolutionsgegner würde ich persönlich höchstens attestieren, dass er nicht einfach nur irgendeine “Theorie”, sondern ein gut bewährtes und entwickeltes Rationalitätsangebot der Naturwissenschaft verwirft – was wie jede andere persönliche Meinung legitim ist. Wenn die Evolutionstheorie “gut” ist, dann braucht sie aber keine Wächter (und schon gar nicht solche, die sich gar nicht mit der Theorie befassen). Kümmert euch lieber um eine plausible Vermittlung der Theorie statt um arrogantes Labeling!

  2. Gleichzeitig schlage ich vor die populären Evolutionsgegner ebenfalls nicht einfach nur zu denunzieren (zumal es oft das Gegenteil des Gewünschten bewirkt), sondern ihre Argumente zum Anlass zu nehmen darzustellen, wie der Forschungsstand dazu wirklich ist. Eine gute Theorie braucht keine Diskurszensur. Gerade im innerreligiösen Diskurs halte ich es für sehr sinnvoll evolutionäre und nicht evolutionäre Schöpfungsmodelle bis in die Details hinein mit all ihren – auch religiösen – Pros und Contras zu diskutieren. Denn beide Seiten haben in religiösen Milieus viele Anhänger, auch wenn sich in der Öffentlichkeit oft überwiegend nur die eine Seite zu Wort meldet, abhängig von den lokalen Herrschaftsverhältnissen (was für jeden Wahrheitssucher ein ätzender Zustand ist). Wem das zu komplex oder “riskant” erscheint: Wie sonst wollen wir Aufklärung und Bildung bewirken, wenn wir nicht erlauben, dass die fest eingravierten Präkonzepte der Menschen sichtbar werden? Das Gefühl aufgrund des Einklangs eines hegemonialen Diskurses “Recht” zu haben ist hochgradig irreführend – und macht die stillen Gräben nur tiefer.

  3. Ich gehöre auch nicht zu den anderen Nervensägen, die die
    Evolutionstheorie gleichsetzen mit Atheismus und Materialismus und glauben, dass man die Menschheit davor “retten” müsse. Vielmehr plädiere ich für eine analytische Trennung der empirischen und metaphysischen Aspekte von “Evolutionstheorie”, mit dem Anspruch, dass die selbe biologische Empirie mit unterschiedlichen Metaphysiken – insbesondere auch mit theistischen – vereinbart werden kann. Freilich gibt es das nicht kostenlos. Ferner ist nicht jede Metaphysik mit der Evolutionstheorie vereinbar. Und insbesondere ist meine Wertschätzung für eine rationale Metaphysik (von wegen Kant oder die Moderne hätte sie überflüssig gemacht!) kein Plädoyer dafür, dass jedes metaphysische Modell gleichermaßen gut mit der Evolutionstheorie vereinbar ist. Auf der anderen Seite bedeutet dies auch: Habe Mut dich den realen empirischen Forschungsstand zur Evolutionstheorie auf der Basis des realen naturwissenschaftlichen Diskurses anhand von Texten “echter” Biologen, die auf diesen Gebieten forschen, zu stellen. Wahrheit sollte nicht vor Wissenschaft davonlaufen müssen um wahr zu bleiben!

  4. Ich gehöre zu jenen, die Naturwissenschaft als ein Rationalitätsangebot sehen, das nicht aufgezwungen werden kann oder darf, das aber von Seiten der entsprechenden Fachleute und Fachlehrer den Menschen auf plausible Weise nahegebracht werden sollte. Der Job der Theologen sollte darin bestehen auf einem anspruchsvollen Niveau den Vereinbarkeitsfragen nachzugehen und hierzu verschiedene Modelle zu formulieren und zur Abwägung vorzuschlagen. Diese müssen nicht den Biologen nachgeplappert sein, da diese nicht per se auch theologische oder wissenschaftstheoretische Kompetenzen mitbringen. Viele gläubige Menschen lehnen die Evolutionstheorie nur ab, weil sich die “Gebildeten” aus allen Fachrichtungen (vor allem auch Theologen) einfach zu vornehm sind ihnen Vereinbarkeitsmodelle vorzustellen, ja geschweige denn sich mal gründlich mit den Theorien, die sie eventuell ablehnen, zu befassen.

  5. Ich gehöre eher nicht zu den NOMA (“nonoverlapping magisteria”)-Vertretern, die aus irgendeiner apriorischen Gewissheit heraus meinen, Evolution und Religion könnten sich gar nicht widersprechen, da sie von zwei völlig verschiedenen und scharf voneinander getrennten Dingen handelten. Sie können sich sehr wohl widersprechen und dieser Widerspruch ist alles andere als trivial. Darum muss hier insbesondere der integrative Theist, wie ich es bin, hart arbeiten.

  6. Insbesondere gehöre ich auch nicht zu jenen, für die die Evolutionstheorie “bloß” eine Theorie ist. Richtig ist: Die Evolutionstheorie ist eine höchst respektable, wenn auch sehr vieldeutige und spekulative Theorie. Und: Eine “Theorie” hat nichts mit der Frage nach Bewiesenheit oder Unbewiesenheit zu tun. Vielmehr ist eine naturwissenschaftliche Theorie mit einer der höchst entwickeltesten Formen der Gesamtschau zu einem Teilbereich der Wirklichkeit, also insbesondere weit mehr als ein paar verrückte Hypothesen, und natürlich immer wenigstens zum Teil empirisch prüfbar oder gar geprüft. Genauso so etwas ist laut meinen Studien die Evolutionstheorie und für mich daher nicht weniger ernst zu nehmen als beispielsweise die Urknalltheorie.

  7. Natürlich gehöre ich auch nicht zu jenen Zeitgenossen, die Evolution lapidar für ein “Faktum” und die Evolutionstheorie für die Erklärung dieses “Faktums” halten. Richtig ist: Das “Faktum” Evolution wird selbst nur in einem sehr anspruchsvollen theoretischen Rahmen sichtbar, der erheblich vielfältiger und von Interpretationen durchsetzter ist als die noch so sauber zusammengetragenen empirischen Einzelbefunde. Ein Umdichten von Evolution in ein “Faktum” statt einer guten Theorie bzw. Theoriebestandteils lässt sich meiner (natürlich völlig irrelevanten) Meinung zufolge auch nicht durch das von manchen Biologen oft vorgebrachte Argument entschuldigen, dass der Begriff “Theorie” in weiten Teilen der Gesellschaft fälschlicherweise mit “unbewiesener Hypothese” gleichgesetzt werde, sodass man lieber nicht von Theorie, sondern von einem “Faktum” sprechen sollte. (Es wird von den “Faktum”-Rhetorikern überdies zugestanden, dass Theorie ursprünglich schon eine teils natürlich auch empirisch gestützten Gesamtschau auf ein komplexes Themengebiet meint.) So ist doch auch die kosmische Hintergrundstrahlung zwar ein gemessener Befund, macht aber noch nicht den Urknall zum “Faktum”. Richtig ist: Die kosmische Hintergrundstrahlung wird elegant – und vielleicht sogar am elegantesten – von der Urknalltheorie erklärt und integriert. Eben dies bekräftigt die Urknalltheorie, macht sie aber nicht zum objektiv zwingenden oder unmittelbar greifbaren “Faktum” (obwohl sie nach meinem Dafürhalten mit hoher Wahrscheinlichkeit wahr ist). Ebenso verhält es sich mit den voneinander klar separierten empirischen Befunden (Fossilien, DNA-Analysen, Altersbestimmungen) der Paläobiologie und ihrer Synthese zum Modell der Evolution im Rahmen der Evolutionstheorie. Man beachte hier vor allem, dass sowohl die Evolutions-, als auch die Urknalltheorien an sich historische Theorien sind, die die gegenwärtige Empirie benutzen müssen, um begründete Vermutungen über den Zustand und die Entwicklung der Welt und des Weltganzen bis in vielen Milliarden Jahren zurückliegender Vergangenheit aufzustellen. Das ist höchst respektabel und lädt mich zu weitgehender Zustimmung ein – aber es ist eben kein Aufdecken von objektiv zwingenden “Fakten”.

Das Thema ist soo schön und ergiebig, aber ich mache jetzt mal Schluss. Meine forschungslastigen Sommerferien sind vorbei und ich möchte morgen ausgeschlafen auf der Matte stehen 🙂

Denkmanöver

Nun, so richtig mit dem Schreiben klappt das hier schon lange nicht mehr. Es gilt: Je mehr ich beruflich und auch sonst schreibe und referiere, umso weniger Elan und Motivation habe ich um in diesem Blog etwas zu schreiben.

Das ist schon etwas tragisch aus meiner Sicht.

Denn ich habe in den letzten Monaten sehr viel Neues gelernt, was sich eigentlich ideal zum Veröffentlichen hier auf diesem unabhängigen Blog eignen würde.

Das Problem ist sicherlich vor allem der Anspruch, den ich stillschweigend mit Blogbeiträgen verbinde.

Ich will jetzt hier nicht das Problem in die Breite herum analysieren, sondern lieber eine mögliche Lösung ausprobieren.

Die Lösung lautet: Ich widme meinen Blog um in ein echtes Denk- und Forschungstagebuch.

Um hier ein erstes Zeichen zu setzen, habe ich den Untertitel von “Von Himmel, Erde und dem dazwischen” umgewandelt in “Ein Hirn-Tagebuch von Hakan Turan”.

(Mann, war das ein erhebender Moment!)

Ich würde gerne hier viel viel mehr posten. Und zwar aus und zu Themen, über die ich tagein und tagaus nachdenke, lese, diskutiere und referiere.

Wohin, wenn nicht auf diesen Blog, sollten solche Dinge gehören?

Ich möchte gerne meine Denkprozesse einfangen und in ihren wichtigen Punkten festhalten.

Ich möchte das Flüchtige einfrieren und sichtbar machen.

Oder anders ausgedrückt: Ich möchte den erhöhten Shitness-Quotienten der Welt da draußen stören mittels Gedankensplittern, die ASQ besitzen.

(ASQ: Anti-Shitness-Qualität).

Ich möchte mich und andere dazu motivieren laut nachzudenken – im Bewusstsein, dass die Welt dadurch sicher nicht noch schlechter wird, da ein Großteil des Übels meiner Meinung nach der Verweigerung des Nachdenkens und Aussprechens entspringt.

Frage: Willst du die Welt retten?

Antwort: Ja, natürlich, was denn sonst!

Frage: Bist du kompetent dazu?

Antwort: Pfff, von wegen… Aber die Erfahrung der letzten Jahren zeigt, dass “Kompetenz” nicht (mehr?) zu den kritischen Größen des Mitmischens gehört. Darum greift die Inkompetenz-Ausrede hier nicht. Manchmal kann ein Irrer mit der guten Absicht durchaus etwas bewegen.

Frage: Was haben die Leute von dir?

Antwort: Keine Ahnung. Vielleicht neue Einsichten und Denkanregungen. Sonst vielleicht: etwas Unterhaltung?

Frage: Denkst du, du bist witzig und cool?

Antwort: Ach was, nein. Oder vielleicht doch ein bisschen?

Frage: Denkst du, irgendeine Sau auf der Welt interessiert sich für deine Gedanken, dein Denk- und Forschungstagebuch und deinen immer unfruchtbarer gewordenen Versuch zu bloggen?

Antwort: Wenn nicht, dann umso herber für die Säue!

Frage: Denkst du allen Ernstes, dass dein Denkprojekt mit Hirn, Logik und solchem Zeug nach all dem Scheitern des Projekts der Aufklärung, nach all den linguistischen, pragmatischen und anthropologischen Wenden auch an den äußersten Ärschen der Welten der Wissenschaft (Hinweis: “Arsch der Welt” ist nach wie vor eine gerade noch salonfähige Metapher!), nach all dem Rechtsruck, der postfaktisch-postmodernen Anything-Goes-Entgrenzung und dem Wettlauf um den roten Knopf noch irgendwas wert ist?

Antwort: Und ob! Genau deswegen bin ich ja hier! Man sollte nicht alles um jeden Scheiß versuchen rückgängig zu machen – aber man sollte alles tun um jeden Scheiß wieder rückgängig zu machen! Weißt du wie ich meine?

Frage: Ich kann darauf nicht antworten, da ich die Frage bin. Aber ehrlich gesagt: nein! Was meinst den denn? Wie willst du jeden Scheiß rückgängig machen?

Antwort: Na durch Rückverfolgung. Durch Ausgrabung. Durch einen Blick hinter die grässlichen Fassaden. Ich glaube, da ist brutal viel Schönheit in der abstrakt gedachten Welt. Aber sie wird ohne Abstraktion nicht sichtbar. Abstraktion kann freilich auf vielen Wegen erfolgen. Ich bin der Meinung, dass der rationale Weg einer der wichtigsten und heutzutage am meisten vernachlässigten ist. Abstraktion verschafft einerseits Distanz. Andererseits macht sie den Blick frei für das Wesentliche.

Frage: Das ist mir zu abstrakt. Gib endlich mal ein Beispiel.

Antwort: Ah! Werden die Säue jetzt also doch neugierig?

Frage: Nene, auf keinen Fall… ich wollte nur gleich dein Beispiel widerlegen und zeigen, dass es nach dem Übergang zur funktional ausdifferenzierten Gesellschaft, nach dem katastrophalen Scheitern aller menschlicher Vernunft im 20. Jahrhundert und mit der Subjektivierung aller Erkenntnis keine Rückkehr zur Einheit von Welt und Wissen mehr geben kann. Genau dies scheinst du aber anzustreben, wenn wenn du hier von Rationalität und Abstraktion herumschwadronierst. Das ist alle Schnee von gestern. Damit den Problemen der Gegenwart an den Leib rücken zu wollen ist ein purer Anachronismus.

Antwort: Soso. Und was genau ist nun deine Frage, als Sau?

Frage: Nenne mir dein Beispiel, und ich wiederlege es prompt.

Antwort: Moment, du bist doch eigentlich die Frage, oder? Wie kommt es, dass du der Sache mehrere Schritte vorauseilst?

Frage: Ich bin dein schlechtes Gewissen. Die Sau aller Säue. Die Stimme, die dir rät es perfekt zu machen. Und wenn du es nicht perfekt machen kannst: Es gar nicht zu machen! Derweil geht die Vernunft den Bach runter. Und die Vernünftigen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit still vor sich hinzuhämmern, hinter verschlossenen Türen…

Antwort: … während der Irrsinn tobt und wütet, sich allenorts im Nu organisiert, das ganzen Denken und Fühlen der Menschheit ergreift und den ganzen unterdrückten Welt- und Selbsthass der Massen an die Oberfläche holt und als Ursprünglichkeit adelt…

Frage: …und die Medizin zur Krankheit und die Vernunft zum Aberglauben erklärt wird, während sie alle gemeinsam ihr Grab schaufeln und sich fragen…

Antwort: … ob das wirklich schon alles gewesen sein kann, ob die Menschheit ihren Zenit wirklich schon überschritten hat, ob die beschissene Ideologie des Pessimismus und des Desinteresses nun wirklich besser war als die im Massenchor verschrienen Versuche von Wahrheitssuche und Vernunfttätigkeit.

Frage: Warum lässt du es nicht einfach sein? Warum machst du nicht einfach deinen Frieden mit der Welt und tust einfach nur das, wofür du konkret und vor Ort gebraucht und gerufen wirst?

Antwort: Weil ich an etwas glaube! Und weil mein Glaube zu stark ist um meinen guten und naiven Willen den Zwängen der Erscheinung zu opfern.

Frage: Warum sind die Vernünftigen dann so verdammt irrelevant geworden? Warum ist Wahrheit kein Wert mehr, sondern höchstens noch ein begriffliches Accessoire mit musealem Charme? Warum solltest du der Vernunft nochmals eine Chance geben? Warum ist überhaupt irgendwas und nicht vielmehr nichts?

Antwort: Weil wir keine Alternative dazu haben mit uns selbst und unseren Verletzungen klarzukommen. Und weil da einfach diese verdammt hartnäckige Intuition in mir und vielen anderen Menschen jede schlaflose Nacht an unsere Bewusstseinsdecke hämmert, dass der Mensch eigentlich zu Besserem bestimmt sein muss… Und dass uns als Wahrheitssuchern das Wahre, Gute und Schöne in Aussicht gestellt wurde, aber noch keines der Versprechen vollauf eingelöst ist. Und dass unsere Naivität aus der Kindheit und frühen Jugend eben doch ein echter Wert war, den wir hätten viel entschiedener gegen die Irren verteidigen müssen! Diese Stimme ist ein Licht in der Dunkelheit, das sich primär nicht in einem holistischen Riesenprojekt, sondern in vielen kleinen Details zu manifestieren vermag, wenn man sie einlädt, sie hütet, sie pflegt und nicht verscheucht. Wir haben nichts anderes als unsere Hoffnung und unseren Glauben, dass das Wahre, Gute und Schöne nicht nur als Potenzial im Dunklen ruht, sondern sich immer dann im hellsten Sein vollzieht, wenn wir dieser Stimme folgen und sie Realität werden lassen…

Wie aus großen Schülern große Lehrer wurden (SWR Aktuell)

Im goldenen Zeitalter des Islams waren die Muslime für mehrere Jahrhunderte führend in Medizin, Naturwissenschaft und Philosophie. Dem folgte ein dramatischer Niedergang, der bis heute nachwirkt. Doch was war damals anders? Betrachten wir dazu folgendes Zitat:

“Ich aber widmete mich dem Studium der Bücher, der Grundtexte wie der Kommentare, aus den Gebieten der Naturwissenschaften und der Metaphysik, und die Tore der Wissenschaft taten sich vor mir auf.”

So beschreibt vor gut tausend Jahren der muslimische Universalgelehrte Avicenna aus Buchara im heutigen Usbekistan seinen grandiosen Bildungsweg als hochbegabter Jugendlicher. Dank der Förderung der Wissenschaft an den Höfen im Abbasidenreich wurde er zu einem der einflussreichsten Philosophen des Islams. Er schuf eine Synthese aus den Lehren des Korans und der aristotelischen Philosophie. Und er veränderte trotz zahlreicher Widerstände die Geisteswelt der Muslime bis weit nach dem 15. Jahrhundert. Sein ins Lateinische übersetzter „Kanon der Medizin“ wiederum war bis ins 16. Jahrhundert in Europa ein Standardlehrwerk der Medizin. Avicenna wurde so auch ein Lehrer des christlichen Europas.

Dennoch wirken die Erinnerungen an das goldene Zeitalter des Islams, in dem Avicenna gewirkt hat, irgendwie surreal. Seit über zweihundert Jahren zerbrechen sich muslimische Intellektuelle den Kopf über die Ursachen des kulturellen Niedergangs der islamischen Welt und suchen Auswege. Lösungsversuche in Form von autoritärer Säkularisierung oder autoritärer Islamisierung sind gescheitert. Ich denke, dass folgende Merkmale des goldenen Zeitalters des Islams auch ohne jede Verklärung bessere Lösungswege nahelegen:

1) Sowohl die Kalifen des Abbasidenreiches, als auch Eliten verschiedenster Bevölkerungsgruppen Bagdads, investierten vom 8. bis zum 10. Jahrhundert viel Geld und Mühe in Übersetzungen von Werken aus der griechischen Antike, aber auch der persischen und indischen Welt ins Arabische. Die Wissenschaften der Muslime erblühten auf dieser Basis, entwickelten eigene Profile und erbrachten schließlich eigene Erfolge.

2) An all dem hatten religiöse wie weniger religiöse Muslime ebenso Anteil wie Juden und Christen.

3) Die Abbasiden waren zudem keine arabischen Nationalisten, sondern sahen sich auch als Träger der reichen persischen Kultur.

4) Bibliotheken und das Beschäftigen hochkarätiger Wissenschaftler waren selbst in Kriegszeiten Statussymbole.

5) Muslimische Emire ließen sich an ihren Höfen abends die Philosophie des Aristoteles erklären und diskutierten diese.

Das produktive Gemenge vom 8. bis zum 10. Jahrhundert war also interkulturell, interreligiös und vom gemeinsamen Bildungsinteresse vieler Bevölkerungsgruppen zugleich getragen. Insbesondere war das damalige Bildungsideal über weite Strecken relativ frei von staatlicher Zensur und Repression.

Das ist die historische Erfahrung des Islams: Lange bevor die Muslime zu großen Lehrern Europas und anderer Kulturen wurden, waren sie selbst großartige Schüler eben dieser Kulturen. Diese Haltung verdient es heute mehr denn je von der islamischen Welt wiederentdeckt und aktualisiert zu werden.

(Mein aktueller Beitrag für Islam in Deutschland auf SWR Aktuell)

Lebenszeichen und Post-Facebook-Ära

Wow – offensichtlich habe ich hier seit Januar nichts mehr gepostet. Dafür gibt es viele Gründe – der letzte wäre der, dass ich nichts mehr geschrieben oder zu schreiben gehabt hätte. Ein wichtiger Faktor war sicher, dass ich lange auf Facebook unterwegs war, was viel Zeit kostet, wenn man am Tagesgeschehen interessiert ist.

Andererseits ist Facebook alles andere als beständig, auch wenn man auf einen Schlag das Gefühl hat die ganze Welt um sich herum, oder gar als Publikum zu haben, dass seinen Applaus durch Likes und Teilen von Beiträgen kundtut.

Nun, das war und ist eigentlich nicht die Art von publizistischer Tätigkeit, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Für mich war das Bloggen phasenweise ein Gefühl maximaler Freiheit. Eine Menge Ideen, die ich heute verfolge, habe ich auf meinem Blog entwickelt, oder zumindest dort dokumentiert. Insofern ist das hier einer meiner wichtigsten Denktagebücher.

Zugleich habe ich nicht den Eindruck, dass das hier sehr viel bewegt hätte – wobei ich aber auch sagen muss, dass ich eine Reihe von Anfragen von verschiedenen Stellen anlässlich meiner Blogpräsenz erhalten habe.

Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack – war das wirklich alles, möchte ich fragen.

Nein, das war es natürlich nicht.

Ich hatte in den letzten Jahren privat und beruflich viel Anlass Themen, Thesen, Projekte und Theorien zu testen, zu vertiefen, weiterzuentwickeln. Vieles davon vermittle ich heute in Form von Lehrerfort- und -ausbildungsveranstaltungen. Es ist klar, dass dies eine für mich viel wichtigere, da nicht zuletzt berufliche Aufgabe ist, als qausi “ins Blaue” zu posten, ungewiss, wen und was ich damit erreiche, also quasi mit der Schrotflinte nach Sonnenuntergang in den dunklen Wald zu schießen, in der Hoffnung, dass man vielleicht ein besonders wertvolles Wild erlegt (man war das jetzt eine bescheuerte Metapher…).

Aber wie man vielleicht meinen Zeilen anmerkt, hat sich da wieder einiges an Schreiblust zusammengebraut. Diesmal wird es aber anders werden, denke ich.

Ich habe hier nicht mehr vor hier Kilometer lange wissenschaftliche Abhandlungen einzustellen (das mache ich am besten woanders, oder in den Dossierbereichen), sondern ich möchte das hier wirklich wieder gerne in eine Denkfabrik umfunktionieren.

Es soll hier rauchen und qualmen!

Aber so richtig !

Zugleich habe ich aber keine Möglichkeit Debatten anzuleiten oder mitzutragen.

Ich möchte einfach das grandiose Gefühl von Freiheit beim Schreiben wiedergewinnen und genießen – und freue mich, wenn ich damit auch den einen oder anderen anstecke.

Es ist echt irre: Fast alles, da ich woanders schreibe, tue oder referiere, möchte ich mal hier auf meinem Blog verewigen. Und bereits diese Absicht gibt mir das Gefühl das entsprechende Thema für mich (im positiven Sinne) abschließen zu können und schwupp – ist es tatsächlich schon abgeschlossen, ehe noch eine Zeile geschrieben ist.

Ist mein Blog für mich nur so etwas wie ein mentaler Puffer?

Und kann bzw. sollte er nicht mehr sein, zumal ich hier wirklich viele hunderte Seiten Text digital verewigt habe (wobei das voluminöse Verb “verewigen” hier ein ganz banales “Einstellen und für paar Jahre Vergessen” meint)?

Vielleicht ist mir jetzt wieder bewusst geworden, dass mein eigentlicher “Adressat” (als Mensch, aber auch speziell als Denker oder Wissenschaftler) nicht in dieser digitalen Welt beheimatet ist.

Genau diese Erkenntnis ist es doch letztlich, die mich auch dazu bringt alle paar Monate meine Facebook-Konto zu deaktivieren und wütend auf die Zeitverschwendung dort zu schimpfen.

Und ich sage es ganz ehrlich: Die Zeiten ohne Facebook sind traumhaft!

Vor allem, wenn man so wie ich sich ständig in Islam- und Türkeithemen verstrickt, was im öffentlichen Diskurs emotional leider sehr kontraproduktive Wirkungen hat.

Aber warum kehrt man dann da wieder zurück?

Nun, zu 90% kehrt man zurück um Kontakt mit einigen engagierten und intelligenten Leuten aufzunehmen, die man am leichtesten dort erreichen kann (oder von denen man sich dies zumindest so einredet, noch ehe man im Internet nach einer Mailadresse der besagten Personen gesucht hätte).

Zu einem Anteil von 10% aber kehrt man für Blödsinn, Polemiken-Verfolgen etc. zurück.

Nach kurzer Zeit schon wächst dieser Blödsinnanteil wie ein schnell und laut heranrasendes Motorrad aber auf satte 90% an und die intelligente Wuselei rutscht fast unter die 10%-Hürde.

Nur mit dem Unterschied, dass das Motorrad hier nun genau neben dir bleibt, und du dich an den Dauerlärm gewöhnst.

Und das täglich nagende Gewissen sonnt sich immer noch im Glanz der ursprünglichen guten Absicht.

Was für ein Mist, ehrlich.

Andererseits ist das dies doch genau eine der zentralen Unphilosophien zur Wahrung schlechter Gewohnheiten und zum Schönreden von Peinlichem:

Hole einmal weit mit guter Absicht aus. Dann verschieße dein Pulver nahezu komplett. Und dann kommt der magische dunkle Moment: Irgendwo zwischen “kurz ausruhen wollen” und “kurz reinschauen wollen” rutscht man für einen Moment in den Zapp-Modus. Dann wird kurz das Gewissen ausgeknipst und man beginnt sich z. B. mit polemischen oder weder diesseitig noch jenseitig nützlichen Texten und Kommentaren vollaufen zu lassen. Dann erwacht das Gewissen, doch man hat immerhin noch nicht sein ganzes Pulver verschossen. Vielmehr hat man genau so viel übrig gelassen, dass man dem schlechten Gewissen zurufen kann: “Hey, du da! Keine Sorge! Schau her, passt doch alles!”

Und ehe man sich versieht, ist man genau in dem Modus angekommen, wegen dem ich mit meiner Liebsten vor nunmehr fast genau 10 Jahren, als wir heirateten, beschlossen hatten daheim keinen Fernseher aufzustellen – nicht weil wir ansonsten nun medienfrei leben würden, sondern weil uns das Gammel- und Hirneinschläferungsrisiko beim TV-Glotzen nach ermüdendem Arbeitstag als besonders hoch schien.

Aber siehe da, Facebook und Nefs (hier im Sinne des inneren Schweinehundes) konspirieren so genial miteinander – vermutlich durch Aktivierung des Lustzentrums im Hirn, wenn man für irgendeinen Bullshit von jemandem, der gerade Mitleid mit einem hat, ein kostengünstiges Like hingeknallt bekommt – dass die rationale TV-Flucht zu Gunsten des schöneren Lebens von raffinierten Geistern und Dämonen in Richtung von FB-Rückfällen ge-by-passt bzw. kurzgeschlossen wird.

Genau dies – in Form von Facebook – habe ich nun also vor einiger Zeit abgestellt.

Und versuche die frei gewordene Zeit und Energie sinnvoll zu investieren.

Und das Beste ist: Es funktioniert!

Natürlich ist Facebook nicht nur schlecht – oder ne, doch: Es ist einfach nur schlecht!

Zumindest dann, wenn man ohnehin nur knappe Sozialitätsreserven hat und die nicht digital verplempern möchte.

Soviel also zu meiner kurzen (und nicht ersten…) Abrechnung mit dem Allesschlucker Facebook.

Also, sieh dich vor und zieh dich warm an, Blog!

Auf dich kommen harte Zeiten zu!

In diesem Sinne,

Salâm alle miteinander…

 

Vom mitternächtlichen Bewusstsein

Ich liebe die Mitternacht und die Zeit nach Mitternacht.

Sie ist der entrückte Umschlagplatz der Inspirationen.

Sie scheint mir allein zu gehören, die Mitternacht, seit jeher schon.

Gibt es doch kaum jemanden, der mir um die Zeit die Welt strittig machen wollte.

So wird das zu einer Win-win-Situation:

Ich lasse euch in Ruhe nächtigen, und ihr lasst mich in Ruhe mit meinen Geistern konferieren.

Es ist diese verheißungsvolle Stille, die diese Nächte so voller Spannung macht.

Sie wird nie durchbrochen, diese Stille, und es ihr auch wesensfremd durchbrochen zu werden.

Losgelöst vom profanen Rhythmus der Tageswelt, des banalen Zeitplans.

Ich verzichte hier gerne auf etwas Schlaf.

Das, was dafür geschenkt wird, ist mir wahrere Wachheit.

Es ist das Gefühl sich für einen Moment in der Schaltzentrale der Welt bzw. der eigenen Welt wiederzufinden.

Ein kurzer Moment des Gefühls, dass man ganz leise das Gute im Dunkeln keimen hört, dass es des Anbruchs eines ewig weit entfernten, aber doch unmittelbar bevorstehenden Morgens harrt.

Das Wahre, Gute und Schöne rücken hier geradezu in sinnliche Reichweite.

Aber es bleibt besser verborgen, als Idee, als Gefühl.

Die undurchbrochene Stille ist größer als der individuierte Klang, mag er noch so schön sein.

Es ist das seltsame Gefühl, dass das Denken sein Gegenüber erahnt, dass eine umgedrehte Suche vom Ziel her beginnt, dass dem Gottesdienst in chiffrierter Sprache geantwortet ist.

Das Ticken der Uhr erinnert an den Fortgang der Zeit.

Zeit und Vergänglichkeit werden zur Strömung unter mir.

Vergänglichkeit ist verzichtbare Perspektive.

Zeit ist, was bleibt.

Zeit ist gut.

Hoffnung ist unzerstörbar.

Dass alles wieder ganz wird.

Dass es eigentlich nie getrennt war.

Hoffnung gründet in Metaphysik.

Es ist der Glaube, dass der Urgrund der Dinge in irgendeinem Sinne gut ist, dass ich an etwas Gutem teilhabe, dass ich zwar selbst der Strömung unterliege, aber dass die Strömung hier mein Verbündeter ist, im Dienste von Größerem steht.

“Flucht nicht auf die Zeit, denn Allah ist die Zeit”, heißt es in einem Hadith.

Das Sein auf der Seite der Sinne erscheint als Fluss von Nichtigkeiten und Flüchtigkeiten.

In diesen Flüchtigkeiten spiegelt sich jedoch Bleibendes, Konstantes.

Das mitternächtliche Bewusstsein befindet sich mit einem Ende in der Welt dieser Strömungen, stets im Angesicht der Gefahr zu verfließen, sich im Kräftefeld der Dinge aufzulösen.

Mit dem anderen Ende ist es bis auf einen festen Urgrund getaucht, auch wenn ich diesen Urgrund selbst nicht sehe.

Er zeigt sich mir in Mathematik, in Struktur, in Zeitlosigkeit.

Er zeigt sich mir im Bewusstsein, im Wunder der wahrgenommenen inneren Kohärenz, in der Fähigkeit zu leben und mein eigenes Denken wahrzunehmen.

Er zeigt sich mir im Naturgesetz, in der inneren und äußeren Ordnung, im Gefühl den Urgrund unter mir zu erfühlen, wenn ich Quantenfeldtheorie betreibe, wenn ich die Einstein-Friedmann-Gleichungen nachrechne, wenn ich die Symmetrien der fundamentalen Theorien bestaune.

Es ist das beheimatende Gefühl, dass der Weg vom Urgrund weg stets wieder zum Urgrund selbst führt.

Die einen Manifestationen von Allahs Namen wechseln sich ab mit den anderen.

Und doch handeln sie stets nur von einem, das zu groß ist, als dass ich es fassen könnte, aber das mir in solchen Momenten so klar aufscheint, dass ich unendlichen Glauben daran zu haben meine.

Hoffnung ist unzerstörbar.

Hoffnung ist der apriorische, von Erfahrung losgelöste Glaube an den Urgrund.

Er kann nicht hergeleitet und auch nicht logisch begründet werden.

Er ist entweder da, oder nicht da.

Er ist eine Art das eigene Bewusstsein und die Welt zu lesen.

Alles andere sind Details, Nichtigkeiten im Vergleich zum Hauptthema.

Vielleicht hat jeder einen anderen Namen dafür, aber meint dasselbe – ich weiß es nicht. Ich muss es auch nicht wissen. Denn es ist mir egal. Denn es ist egal.

Das mitternächtliche Bewusstsein ist nicht polemisch, es ist betrachtend.

Es ist nachdenklich, nicht berechnend.

Es zweifelt an aller Erscheinung.

Aber es ruht in fester Stille auf dem sichersten Urgrund, den es gibt.

Auf dem einzigen Urgrund.

Auf dem Urgrund.

Es findet zu sich, es erkennt das Bleibende, es identifiziert sich mit der Substanz im Fluss seiner Gedanken…

Es wird aber nie selbst zu diesem Fluss, solange es sich eine Substanz erahnt…

Herausforderungen der Evolutionstheorie

Die Naturwissenschaft stellt eine Herausforderung für den Gottesglauben dar, auch im islamischen Denken. Wie kann eine naturgesetzlich geordnete Erfahrungswelt mit einem aktiven Schöpfergott vereinbart werden kann? Und wie sollten abrahamitische Religionen speziell mit der Evolutionstheorie umgehen, die den Menschen in direkte Verwandtschaft zur Tierwelt setzt?
 
Es wird oft behauptet, die im Koran erwähnte Erschaffung des ersten Menschen Adam durch Gott widerspräche einer Evolution aus dem Tierreich. Dabei bleibt der Koran bei diesen Schilderungen aber allgemein und vieldeutig, sodass daraus weder eine Bestätigung, noch eine Zurückweisung von Evolution folgen muss. Sehr bildliche Schöpfungsschilderungen in anderen islamischen Quellen wiederum sind nicht so sicher überliefert, als dass sie als verbindlich verstanden werden müssten.
 
Aber auch sonst sollte man hinsichtlich der gut bestätigten Evolutionstheorie einen Rat des Gelehrten al-Ghazali aus dem 11. Jahrhundert beherzigen. Er sagte, dass bei einem Widerspruch zwischen naturwissenschaftlich gesichertem Wissen und dem Wortlaut religiöser Textstellen, letztere metaphorisch verstanden werden sollten. Denn den Schöpfungsversen des Koran ginge es um theologische Grundaussagen und nicht um Schöpfungsdetails.
 
Dem wird oft entgegnet, dass die Evolution nicht nur ein Detail sei, sondern Gott vollständig durch ungerichtete Naturprozesse ersetzen würde. Dieser Einwand trifft nur zu, wenn man Erschaffung als plötzlichen göttlichen Eingriff in eine geordnet verlaufende Welt sieht.
 
Islamische Theologen haben aber vor tausend Jahren schon
Naturgesetze als Schöpfungsgewohnheiten Gottes verstanden. Gott ist demnach keine Erklärung unverstandener Naturphänome, sondern die Macht, die alles in der Schöpfung Moment für Moment neu erschafft, und dies auf eine geordnete Weise tut. Damit wäre auch die Evolution eine Schöpfungsgewohnheit Gottes, mit der er alles auseinander
hervorgehen lässt. Gottes Einheit wird so also auch in der Einheit der Natur manifest.
 
Darauf wird oft erwidert, die Evolutionstheorie sei an sich materialistisch. In der Tat wurde und wird sie oft für einen Materialismus instrumentalisiert, für den kein Gott existiert. Dabei lassen auch evolutionäre Theorien Raum für sehr unterschiedliche Metaphysiken. So gab es lange vor Darwin evolutionäre Ansätze auch bei den gottgläubigen Muslimen.
 
Der Historiker John William Draper aus dem 19. Jahrhundert spricht sogar von einer „muhammadanischen Evolutionstheorie“ vor Darwin und Lamarck. Diese wurde beispielsweise vertreten vom tunesischen Historiker Ibn Khaldun aus dem 14. Jahrhundert. Er schrieb in seinem Werk Muqaddima, dass sich die Lebewesen im Zuge einer schrittweisen Schöpfung von den Mineralien über Pflanzen und Tiere bis zum Menschen hin entwickelt hätten. Und dass Arten, sobald sie ihre höchste Stufe erreicht haben, bereit seien zur ersten Stufe der nächsthöheren Art zu werden.
 
Geradezu visionär mutet schließlich die Äußerung Ibn Khalduns an, die Vorstufe zum Menschen liege in der Welt der Affen.
(Mein aktueller Text in “Islam in Deutschland” auf SWRinfo)